Das Kloster Elisabethenzell an der Birkenhainer Straße – eine archäologische Spurensuche

Vortrag von Harald Rosmanitz
am Freitag, den 12. Mai 2017, um 20.00 Uhr
im Brausaal im Romanischen Haus, Untermarkt 2 in 63571 Gelnhausen

Eine Veranstaltung des Geschichtsvereins Gelnhausen und des Archäologischen Spessartprojekts

In die Grabungen auf den Kloster Elisabethenzell bei Rieneck waren zahlreiche freiwillige Helfer eingebunden.In den Jahren 2012 bis 2016 wurde das Kloster Elisabethenzell, auch als Kloster Einsiedel bezeichnet, in insgesamt vier Grabungskampagnen durch das Archäologische Spessartprojekt untersucht. Die Anlage liegt an der Birkenhainer Straße. In den 1230er Jahren unweit der Burg Rieneck, dem Stammsitz der Grafen von Rieneck, errichtet, diente die Anlage als Raststation für die Nutzer des beschwerlichsten Abschnittes des Fernhandelsweges von Mainz nach Bamberg bzw. Nürnberg. Die Lage war so günstig gewählt, dass sogar ein Niederadliger neben dem Kloster ein steinernes Haus errichtete. Anlässlich der Erbstreitigkeiten der Rienecker mit den Herren von Hanau wurde ein Großteil der Bebauung in den 1330er Jahren aufgegeben.

Die Grabungen werfen ein Schlaglicht auf den Ausbau der Kulturlandschaft des Spessarts im Hoch- und Spätmittelalter. Sie zeigen eindrücklich, wie stark Handelsstraßen und Siedlungsstrukturen miteinander verknüpft waren. Von großer Bedeutung ist dabei die Funktion des Klosters als Rast- und einer Zollstation am Fernweg zwischen Frankfurt und Nürnberg. In den Funden und den freigelegten Mauerzügen kommt darüber hinaus die Rolle des Klosters als Ort der Repräsentation der Rienecker und als gewinnbringender Wirtschaftsbetrieb zum Ausdruck.

Daneben konnte zwischen 2013 und 2015 ein Friedhof freigelegt werden. Trotz denkbar schlechter geologischer Voraussetzungen im Hinblick auf den Erhalt der Gebeine hat sich nördlich der Kirche eine Begräbnisstätte erhalten, in der etwa 250 Individuen zu ihrer letzten Ruhe gebettet wurden. Der Friedhof war nur etwas mehr als drei Generationen lang in Benutzung, bis er infolge einer kriegerischen Auseinandersetzung aufgegeben werden musste. Den Ausgräbern erschlossen sich zahlreiche Aspekte der Funeralkultur jener Zeit, angefangen von Grabbeigaben über Bestattungssitten bis zur Manifestation des katholisch geprägten Jenseitsglaubens. „Schöne Leichen“ hat es auch damals schon gegeben.

Der Referent widmet seinen Lichtbildvortag den am Befund ablesbaren, zahlreichen Facetten des Lebens in Kloster Elisabethenzell, einem Ort des Glaubens und des Austrauschs.