Burg und Herrschaft als Wirtschaftsorganismus

Vortrag von Harald Rosmanitz

am Mittwoch, den 10. Mai 2017, 19.30 Uhr
im Ristaurante Maintalstube, Jahnstraße 50 in 63814 Mainaschaff

Eine Veranstaltung des Geschichstvereins Mainaschaff

Der Eintritt ist frei

 

Das Fragment eines Glasschmelzhafens, welches in das Pflaster des inneren Tores der Burg Bartenstein bei Partentein eingelassen ist, gab im 16. Jahrhundert dem Besucher der Anlage deutlich zu verstehen, dass das Bauwerk in erster Line zur Besteuerung der umliegenden Glasmacher genutzt wurde.Das Verständnis der hoch- und spätmittelalterlichen Burg als wesentlicher Bestandteil der Ökonomie einer Landschaft kann am Beispiel des Spessarts in gleich mehrfacher Form aufgezeigt werden. Neben der Sicherung und Pflege von Fernwegen (Burg Wahlmich bei Waldaschaff, Altes Schloss bei Kleinwallstadt) ist in diesem Zusammenhang auf ihre Funktion als Kellerei zur Aufbewahrung und Weiterverarbeitung der an die Landesherrschaft in Naturalien entrichteten Abgaben zu verweisen (Burg Wildenstein bei Eschau). Manche Spessartburg diente darüber hinaus als Dreh- und Angelpunkt für ein ganzes Ökonomiegeflecht. Als Beispiele seien auf die Eisengewinnung und -verarbeitung auf der Ketzelburg in Haibach und bei der Burg Mole bei Heimbuchenthal verweisen. Am deutlichsten zeigt sich das Verständnis der Burg als Wirtschaftsorganismus in den archäologischen Befunden der Burg Bartenstein bei Partenstein. Diese wurde als Kontroll- und Besteuerungsinstanz für die dort im Umfeld der Burg zu Beginn des 13. Jahrhunderts angesiedelten Glashütten errichtet.

Darüber hinaus können auch die Spessartburgen gemeinsam mit ihren in unmittelbarer Nähe liegenden kleinen Dörfern als weitgehend autarke Wirtschaftseinheiten angesprochen werden. Wie anfällig ein solches System sein konnte, lässt sich am Beispiel der Burg Bartenstein archäologisch verdeutlichen. Dem Wunsch der Gemeinde nach Sichtbarmachung der Anlage wurde in Absprache mit dem Denkmalamt dahingehend entsprochen, dass bei den Grabungen in den Jahren 2004 bis 2009 und 2016/17 nicht das Burginnere, sondern die Areale außerhalb der Ringmauer einschließlich der Gräben zu guten Teilen freigelegt wurden. Als Spezifikum konnte herausgearbeitet werden, dass die nur 20 x 30 Meter messende, von der Ringmauer umschlossen Kernburg nach 1333 in eine Ganerbenburg umgewandelt werden. Dies war nur dadurch möglich, dass sämtliche Wirtschaftsbereiche in einen eigens dafür errichteten Zwinger ausgelagert wurden. Die räumliche Trennung von Repräsentations- und Wehrbereichen von einem ehre einfach befestigten Wirtschaftsbereich blieb bis zur Aufgabe der Burg in den 1630er Jahren bestehen.