Kloster, Mautstelle, Raststation
Das Kloster Elisabethenzell und die Kulturlandschaft Spessart – eine archäologische Spurensuche

 

Vortrag von Harald Rosmanitz

am Samstag, den 29. April 2017 im Rahmen der Kulturtagung des Spessartbundes
im Gasthaus „Goldenes Faß“, Kirchstraße 13 in 63920 Großheubach

Das Kloster Elisabethenzell bei Rieneck war noch lange nach seiner Auflösung markanter Teil der Kulturlandschaft des nordöstlichen Spessarts.In den Jahren 2012 bis 2016 wurde das Kloster Elisabethenzell bei Rieneck in insgesamt vier Grabungskampagnen durch das Archäologische Spessartprojekt untersucht. Die Anlage liegt an der Birkenhainer Straße. In den 1230er Jahren unweit der Burg Rieneck, dem Stammsitz der Grafen von Rieneck, errichtet, diente die Anlage als Raststation für die Nutzer des beschwerlichsten Abschnittes des Fernhandelsweges von Mainz nach Bamberg bzw. Nürnberg. Anlässlich der Erbstreitigkeiten der Rienecker mit den Herren von Hanau wurde ein Großteil der Bebauung in den 1330er Jahren aufgegeben.

Die Grabungen werfen ein Schlaglicht auf den Ausbau der Kulturlandschaft des Spessarts im Hoch- und Spätmittelalter. Sie zeigen eindrücklich, wie stark Handelsstraßen und Siedlungsstrukturen miteinander verknüpft waren. In den Funden und den freigelegten Mauerzügen kommt die Rolle des Klosters als Ort der Repräsentation der Rienecker und als gewinnbringender Wirtschaftsbetrieb in Form einer Raststation zum Ausdruck.

Schwerpunkt des Vortrags bildet die Multifunktionalität des Klosters, der sowohl in der archivalischen Überlieferung als auch in den Befunden vor Ort sowie in dem umfangreichen Fundmaterial deutlich seinen Niederschlag fand.