Klingenberger Ton - der Stoff, aus dem die Bleistifte sind.Die Klingenberger Tone sind etwas Besonderes in der deutschen Mittelgebirgslandschaft. Sie zeichnen sich durch sehr hohe Reinheit und damit durch sehr hohe Qualität aus, die weltweit ihres Gleichen sucht. Bereits in der Römerzeit unternahm man Abbauversuche auf die Tone. Die ersten archivalisch fassbaren Belege stammen aus dem Jahre 1667. In einem Mainzischen Jurisdiktionalbuch wurde die Tonlagerstätte Klingenberg erstmals als “Littengrube” bezeichnet.

Mit der Umstellung auf die Tonförderung untertage erhielt der Tonabbau Anfang des 18. Jahrhunderts einen bedeutenden Aufschwung. Durch den hohen Erlös aus dem Tonwerk konnten den Stadtbürgern Klingenbergs die Steuern erlassen und sogar ein Bürgergeld gezahlt werden. Die Bezeichnung “Schwarzes Gold” hat vor diesem Hintergrund ihre Berechtigung.

Weniger bekannt, aber entstehungsgeschichtlich vergleichbar ist die Tonlagerstätte von Schippach. Die Tone blieben dort bis in das Jahr 1900 unbekannt. Erst beim Pflügen eines Ackers am “Hungersbrunnen” kam schließlich eine helle Tonschicht zutage, die bergmännisch erschlossen wurde. Beide Tonlagerstätten, die in Klingenberg ebenso wie die in Schippach, wurden in großem Stil, zum Teil mit einer Belegschaft von über hundert ‘Kumpel’ ausgebeutet. Während der Tonabbau in Schippach im Jahre 1967 eingestellt werden musste, ging der Abbau in Klingenberg bis 2011 70 m unter der Oberfläche weiter.

Die gewonnenen Tone wurden für spezielle keramische Anwendungen eingesetzt. Zum Beispiel wurden hochwertige Isolatoren aus den Tonen geringerer Qualität hergestellt. Die besten Qualitäten wurden als Zuschlagsstoff (Fließmittel) für die Herstellung hochwertiger Bleistiftminen und für Zahnpasta verwendet. Nahezu jeder weltweit verkaufte Bleistift enthielt in geringen Mengen den Klingenberger Ton.

Die Entstehung der Tonlagerstätten Schippach und Klingenberg sind noch nicht abschließend geklärt. Verwunderlich ist vor allem die Reinheit des Tones. Die mächtigen Tone sind jeweils in ein kluftähnliches System im Buntsandstein eingesenkt und blieben daher über lange Abschnitte der jüngeren Erdgeschichte erhalten. Die Klingenberger und Schippacher Tone sind bereits vor vielen Millionen Jahren entstanden. Bisher dachte man, dass dies im sogenannten Pliozän, also vor etwa zwei bis fünf Millionen Jahren der Fall war. Neuere Untersuchungen widerlegten dies. Man fand in kohligen Schichten Pflanzenreste und Pollen, die einer Flora des Oligozäns zugeschrieben werden. Der mögliche Entstehungszeitraum ist somit vor 24 bis 34 Millionen Jahren anzunehmen. In diesem Abschnitt des Tertiärs herrschte in Mitteleuropa ein Klima vergleichbar den heutigen Tropen. Der umliegende Buntsandstein verwitterte bis in kleinste Bestandteile, aus denen sich der Ton bilden konnte. Bei dem Ton handelt es sich um Kleinstpartikel kleiner als 2mm.

Das vorherrschende Tonmineral im Klingenberger Ton ist der Kaolinit. Korngröße und Tonmineralbestand deuten auf die Entstehung durch Verwitterung von Sandsteinen im Tropenklima. Ungelöst ist die Frage, wie die Verwitterungsprodukte letztlich in die Spalten des Buntsandsteins gelangten.

Die Thementafel aus der Ausstellung in Miltenberg von 2005