Eine Besonderheit des Spessarts ist der weisse Sandstein - der weisse Leimen.Glutrot ist der Buntsandstein im Spessart. Aus den bewaldeten Hängen tritt hier in den offengelassenen Steinbrüchen die rote Farbe des Buntsandsteins hervor. Dies ist besonders eindrucksvoll in der Umgebung von Miltenberg zu beobachten. Meist sind jedoch die früheren Steinbrüche stark verfallen oder überwachsen, so dass in der Flur kaum mehr etwas auf den roten Gesteinsuntergrund hinweist. Dennoch prägt der rote Buntsandstein das Bild der Landschaft, weil er in jeder Ortschaft im Spessart verbaut wurde.

Viele repräsentative Bauten, wie Kirchen, Rathäuser oder Schulen, sind vollständig aus Buntsandstein errichtet. Die Sockel der typischen Spessarthäuser sind ebenfalls aus Buntsandstein. Besonders deutlich ist dies in der Umgebung von Röllbach und Mönchberg, wo ein rotvioletter Sandstein aus den oberen Einheiten des Buntsandsteins im Untergrund vorkommt. In einigen Ortschaften wie Heigenbrücken oder Kleinwallstadt am Main ist dies anders: graue oder weiße Sandsteine dominieren in der älteren Bausubstanz. Ein Zeichen dafür, dass es in der näheren Umgebung tatsächlich weißen Sandstein gibt. Er stammt von ortsnahen Steinbrüchen und wurde mit möglichst geringem Transportau-wand zum Hausbau genutzt. Doch was hat es mit diesem weißen Stein auf sich? Warum ist der Sandstein hier nicht „bunt“ bzw. „rot“ wie im übrigen Spessart?

Die rote Farbe des Buntsandstein kommt von oxidiertem Eisen, im Prinzip von rostigem Eisen, das in geringen Mengen im Sandstein enthalten ist. Eisenverbindungen sind wichtige Bestandteile im Sandstein, da sie die einzelnen Sandkörner miteinander verkleben. Die Geologen sprechen daher auch vom Zement eines Sedimentgesteins. Neben Eisen können auch Ton oder Kieselsäure oder Kombinationen daraus das Bindemittel eines Sedimentgesteins darstellen. Man kann davon ausgehen, dass zur Entstehungszeit des Buntsandsteins vor etwa 225 Millionen Jahren alle Gesteine mehr oder weniger intensiv mit dem Bindemittel getränkt wurden. Das Bindemittel Eisen wurde dabei durch Verwitterungsprozesse der damaligen Abtragungsgebiete bereitgestellt.

Viele Millionen Jahre später, im Tertiär, gelangten die Gesteine des Buntsandsteins wieder an die Erdoberfläche. Sie waren damit erneut den Verwitterungsprozessen ausgesetzt. Damals herrschten in Mitteleuropa über Jahrmillionen hinweg völlig andere Klimabedingungen als heute. Das Klima war sehr feucht und sehr heiß. Dies förderte eine Verwitterungsdynamik, die in erster Linie durch chemische Prozesse gekennzeichnet war. In den wassergetränkten Sandsteinen wurden Eisenverbindungen unter sauerstofffreien Be-dingungen herausgelöst und mit dem Wasser ausgeschwemmt. Dadurch verlor der Sandstein seine Komponenten, die ihm zuvor die rote Farbe verliehen haben. Der Sandstein wurde zum Teil blütenweiß, meistens auch etwas weicher und brüchiger. Diese Prozesse fanden auf der damaligen Landoberfläche statt und erfassten den gesamten Buntsandsteinuntergrund.

Mit dem Beginn der Eiszeiten vollzogt sich vor etwa 1,6 Millionen Jahren ein markanter Klimawechsel. Auf die feucht-warme Phase folgen kalte Abschnitte mit Frostverwitterung. In dieser Zeit wurden die meisten weißen und weichen Sandsteine abgetragen und mit den fließenden Gewässern abgeschwemmt. Nur an wenigen Stellen im Spessart blieben die weißen Sandsteine erhalten. Sie sind sozusagen ein Denkmal eines tropischen Vorzeitklimas im Spessart. In ihnen sind die damaligen Verwitterungsprozesse konserviert.

Nur selten bietet sich die Möglichkeit, den weißen Stein und seine Verwitterungslehme im Bodenprofil zu erschließen. Bei Kleinwallstadt am Main ist dies noch möglich. Der weiße Stein tritt in Wegböschungen und in Schluchten auf. Er wurde hier sogar als sogenannter Klebsand im frühen 20. Jahrhundert gewonnen und als Formsand in der Eisengusstechnik im Spessart und Ruhrgebiet eingesetzt.

Die Thementafel aus der Ausstellung in Miltenberg von 2005