Franz-Wilhelm Schäfer (13.6.1872 - 26.1.1951) - Pionier der Fotografie im Spessart Der Reiz der Fotografie liegt darin, dass ihre Erzeugnisse immer Bestandteile der eigenen Vorstellungswelt sind. Gleichzeitig kann die Fotografie für sich beanspruchen, die Wirklichkeit abzubilden. Oft geben die Fotografien weniger über das Dargestellte als über die Urheber und diejenigen, für die das Bild letztlich angefertigt wurde, Aufschluss.

So entstanden zahlreiche Bilder mit Landschaften und “bäuerlichen Szenen” in Folge einer ersten “Tourismuswelle” im Spessart. Man unternimmt eine „absichtslose“ Reise. Sie verfolgt keine wissenschaftlichen Absichten. Sie ist der Ausdruck einer vielfach unbestimmten Sehnsucht. Die unberührte Landschaft und die unberührte Geschichte – Leitbilder des Tourismus – geraten in den Fokus der Reisenden und der von diesen profitierenden Fotografen.

Die Einführung der trockenen Kollodiumplatte erleichterte das Fotografieren erheblich. Das Verfahren erlaubt, die Platten längere Zeit aufzubewahren, nachdem sie lichtempfindlich gemacht wurden. In jener Zeit florierten die Fotoateliers vor Ort. Die Reisenden konnten dort Landschaften, Stadtansichten und in immer größerer Zahl Genreszenen und Portraits der Einheimischen erwerben. Da wenig Interesse an den tatsächlichen Verhältnissen eines Landes besteht, sind sie nicht als Abbilder der Landeskultur, sondern als eine Projektion der Phantasien und Wunschträume zu werten.

Die Aufnahmen wurden als Souvenir erstanden. Indem sie Vorurteile oder Wunschbilder wiedergaben, kamen sie den Erwartungen der Käufer entgegen. Zugleich verfestigen die Aufnahmen natürlich Klischees, die somit ständig eine Neuauflage erfuhren, und trugen dazu bei, dass die vorgefassten Meinungen so schnell nicht abgebaut wurden.

Franz-Wilhelm Schäfer war ein Pionier der Fotografie in Lohr am Main, der die „Lichtkunst“ gegen 1890/95 zu seinem Hauptberuf ausbaute. Mit ausgeprägter Begeisterung für alles Neue und Technische sowie kaufmännischem Geschick brachte er es zu einem Fotostudio, das weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Bedeutung erlangte. Während seiner rund fünfzigjährigen Aktivität als Fotograf lichtete Schäfer zahlreiche Menschen, Gebäude und Landschaften ab, hielt geschichtlich bedeutsame Ereignisse im Bild fest und wurde so zum Chronisten, vor allem Lohrs und des Spessarts. Seine beruflichen Reisen führten ihn durch ganz Süddeutschland bis hin nach Italien. Sein Erfindungsgeist war äußerst ausgeprägt, sei es in der Herstel-lung erster Verkaufskataloge, der Anfertigung und dem Vertrieb von Sterbebildchen, Emaillebroschen oder Briefmarkenportraits. Zum Zimmeratelier kam bald das Freilichtatelier sowie die eigene „Kunstanstalt für fotografische Spezialitäten“.

Die von ihm hinterlassene Fotosammlung im Lohrer Stadtarchiv umfasst 2.366 große Fotoglasplatten, wovon etwa 1.200 Lohrer Motive enthalten, rund 800 aus dem Altlandkreis Lohr und dem Spessart stammen. Zusätzlich sind über 10.000 Portraitaufnahmen erhalten.

Die Thementafel aus der Ausstellung in Miltenberg von 2005