Dieses Fragment eines Römers fand man bei Ausgrabungen im Schloß in Miltenberg am Main. Bei Ausgrabungen im Miltenberger Schloss wurden zahlreiche Fragmente von Glasgefäßen geborgen. Sie sind für die Realienforschung wie auch für die Geschichte des Spessarts von großer Bedeutung. Es haben sich mit Ausnahme einiger Funde aus Aschaffenburg nur wenige Zeugnisse des Alltags an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert im Spessart erhalten.

Der „Römer“ ist ein erstmals in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts in Kölner Inventaren erwähntes pokalförmiges Weinglas. Sein von niederländisch roemen, (=rühmen) abgeleiteter Name bezieht sich vermutlich auf die mit erhobenem Glas ausgesprochenen Trinksprüche. Das Trinkglas eignet sich vorzüglich zum Aufbau der Weinblume. Es trägt den verfeinerten Tischsitten seit der Renaissance Rechnung. In leicht abgewandelter Form ist es heute noch in Gebrauch.

Die in Miltenberg gefundenen Römer besitzen einen gesponnenen Fuß und mehrere Reihen mit Beerennuppen. Die Wandung der Kuppa ist bei sämtlichen Stücken sehr dünn, die Glasmasse gras- bis graugrün.

Für die nuppenbesetzten Weingläser bevorzugte man Waldglas: „In disen landen [hat man] gemeingklich zum weyn grüne gleser gemacht/ darin ein rebe rechter plancke weyn/ sehr schön und lieblich steht/ und dem weyn ein lüstige farbe gibt.“ (Johann Mathesius, Sarepta oder Berg-postill, 1562). Die Grünfärbung des Waldglases wurde von Eisenoxiden verursacht, die sich in den Rohstoffen befanden.

Als Wein- oder in seiner Miniaturform wohl als Branntweinglas genutzt, ist der Römer die wohl eigenartigste und schönste Schöpfung unter allen Gläsern der deutschen Renaissance.

Das Spessart-GIS zeigt uns die bislang bekannten Glashütten im Spessart.

Trinkgläser und Tafelgeschirr aus Glas zählten sicherlich zu den Gegenständen der gestiegenen Lebensansprüche im späten Mittelalter und in der Renaissance. Der Besitz und Gebrauch von Glasgefäßen stellte jedoch nicht unbedingt ein Zeichen von Reichtum dar, sondern gehörte auf Burgen, in Klöstern und in Städten zur häuslichen Ausstattung, was Ausgrabungsfunde belegen. Qualität und Quantität der Gläser, ihre Formen und Verzierungen können demgegenüber als ein Indiz für die soziale Stellung ihres Besitzers gelten.

Aus der großen Zahl von Glashütten im Spessart lässt sich auf der Grundlage der umfassenden Untersuchungen von Gerhard Kampfmann etwa die Menge der produzierten Ware erschließen. Sie legt eine bequeme Versorgung der Region mit Gläsern nahe und deutet das enorme Potential für den Export, besonders in die Niederlande, an.

Etwa 120 Waldglashüttenstandorte ab dem 12. Jahrhundert sind bisher im Spessart lokalisiert. Davon finden sich etwa 30 im 16. und 17. Jahrhundert, so dass die Glaspalette dieser Zeit ziemlich genau eingesehen werden kann. Pauschal kann man sagen, dass die Spessarthütten im 16. und 17. Jahrhundert zu zwei Dritteln Hohlglas und einem Drittel Scheibenglas produzierten. Vom Hohlglasanteil nahm der Römer im frühen 17. Jahrhundert mit etwa einem Drittel den Löwenanteil für sich in Anspruch.

Diese riesige Menge von Material mag einer der Gründe sein, dass die Römer aus dem Spessart bisher nicht genau untersucht worden sind. Hier bleibt eine große Arbeit zu leisten.

Die Thementafel aus der Ausstellung in Miltenberg von 2005