Als Kriege immer mehr den Berufsmilitärs überlassen und die Duelle streng unterbunden wurden, bot die Jagd dem Adel eine der letzten Gelegenheiten, ritterliche und kriegerische Ausbildung, Körperbeherrschung und Waffengebrauch zu demonstrieren. Sie wurde zu einem der bedeutendsten Elemente des höfischen Lebens. Nicht nur die aktiven Jäger, der gesamte Hofstaat nahm als Zuschauer teil. Man genoss das gesellige Ereignis und die Freude, sich in der nach eigenem Ermessen gestalteten Natur aufzuhalten. Dabei wollte man keineswegs auf den gewohnten Luxus und Komfort verzichten.

Eingestellte Jagd. Gemälde von J.G. Stockmar, um 1740/50. Aschaffenburg, Museen der Stadt Aschaffenburg.
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Dies und der verstärkte Einsatz von Jagdgewehren begründete die eingestellte Jagd: man brauchte das Wild nicht mehr bis zur Erschöpfung zu verfolgen, sondern konnte es großräumig, manchmal tagelang in Richtung eines Ortes treiben, der mit Leinentüchern eingegrenzt war und aus dem die Tiere nicht mehr ausbrechen konnten. Damit wurde die eigentliche Jagd für den Fürsten zwar wesentlich verkürzt; zum Ausgleich jedoch eröffnete sich ihm die Möglichkeit, eine wesentlich größere Strecke zu erzielen. Die Strecke ergibt sich aus erlegtem Wild, das auf dem Boden ausgelegt wurde. Am Tag der eigentlichen Jagd wurden die Rolltücher hochgewickelt. Das zusammengetriebene Wild wurde in den Lauf entlassen – ein von Bäumen und Büschen möglichst freier, langgezogener Platz. Gegenüber war der Lauf bogenförmig geschlossen, damit sich das Wild nicht in die Ecken verrannte. In der Mitte des Laufs befand sich der sogenannte Jagdschirm, ein abgegrenzter Bereich, in dem sich die Jäger aufhielten. Kam das Wild in den Lauf, wurde es von den Jägern mit einer Schusswaffe erlegt. Eine Übersteigerung der eingestellten Jagden waren die Festin-Jagden, bei denen Wild in rauen Mengen geschossen wurde. Solche Jagden wurden von Hofmalern und Hofbildhauern oft mit riesigem Aufwand mit prunkvollen Dekorationen versehen.

Das zwischen 1740 und 1750 von J. G. Stockmar (+ 1759) gefertigte Ölgemälde in den Museen der Stadt Aschaffenburg verherrlicht die Freuden eines solchen Open Air Ereignisses. Das 73 cm hohe und 117 cm breite Ölgemälde gibt, eingerahmt von je einem Baum am linken und am rechten Bildrand, den Blick frei auf eine mit hohen Tuchbahnen abgesteckte Fläche. Neben der links sichtbaren Musikkapelle erkannt man die Strecke, auf – der nach Größe geordnet – zahlreiche Wildschweine aufgebahrt sind. Eine beachtliche Menge an Zuschauern verfolgt im Vordergrund des Bildes von einer behelfsmäßig errichteten Wagentribüne aus den Jagdverlauf. Im rechten Bildfeld erkannt man den nach rechts halbrund abgeschlossenen Lauf mit dem Jagdschirm in Form eines kleinen Lusthauses, von dem insgesamt drei Schusskanzeln nach außen weisen. Von diesen wird mit Jagdflinten auf die hereingetriebenen Wildschweine das Feuer eröffnet. Links unten ist die Künstlersignatur J. G. Stockmar pinx[it] sichtbar.

Die Malerei gehört einer Gruppe von großformatigen Gemälden an, wie sie beispielsweise im Jagdmuseum Kranichstein bei Darmstadt oder im Schloss Schwetzingen bei Heidelberg zu finden sind. Leider lässt sich die eingestellte Jagd auf dem Aschaffenburger Gemälde bislang auf keine bestimmte urkundlich nachweisbare Veranstaltung beziehen. Schon die lange Strecke auf dem Aschaffenburger Gemälde lässt erahnen, dass sich die Darstellung auf ein vergleichsweise bedeutendes Großereignis bezogen haben dürfte, für das enorme Personal- und Sachmittel vonnöten waren. Weiteres erfahren wir aus zeitgenössischen Beschreibungen: So wurde beispielsweise anlässlich des Geburtstages des Herzogs von Württemberg am 19. Februar 1763 eine eingestellte Jagd bei Degerloch ausgerichtet. Hierfür schuf man einen künstlichen See, 680 Fuß lang und 280 Fuß breit, und aus Holz errichtete Galerien und Pavillons. Zum Abschießen parat gehaltenen waren 121 Hirsche von 8 und mehr Enden, 30 Damböcke, 150 Rehböcke, 61 Schweine, 180 Keiler und Bachen, 89 Frischlinge, 36 Dachse, 270 Füchse, 3002 Hasen, 197 Fasanen, 530 Feldhühner, 209 Wildenten, 400 Wildtauben, 2 Gemsen, 2 Wölfe, 2 Luchse. Die Zahl der Zuschauer betrug über 15.000 Personen.

Neunzehn Jahre später sollte dieses Ereignis durch Herzogs Karl Eugen von Württemberg um Weiten übertrumpft werden. Damals wurden rund 6.000 Stück Edel- und Rehwild und 2.600 Wildschweine erlegt. Pro Tag musste man 1.000 Bauern und 73 berittene Postillons zu Botendiensten einsetzen, um das Wild aus einem weiten Umkreis im Verlauf von zwanzig Tagen in das eingestellte Jagen zusammenzutreiben. Insgesamt waren 21.240 Mann im Einsatz. Für die 5.500 Wachtfeuer wurden 2.766 Klafter Holz zusätzlich verfeuert – dies entspricht heute etwa 8500 Festmeter Holz. Die Kosten solche Jagden beliefen sich auf 30.000 bis 60.000 Gulden, das sind nach heutiger Kaufkraft ca. 2,5-5 Millionen Euro. An den barocken Fürstenhöfen fanden eingestellte Jagden aus diesem Grunde aus Anlässen wie Thronbesteigung, fürstlichen Familienfesten oder hohen auswärtigen Besuchen statt. Sie standen zudem nicht für sich allein, sondern waren Teile von Veranstaltungszyklen wie Festtafeln, Bällen, Konzerten, Theateraufführungen oder Feuerwerken. Bestandteile der verschiedenen Festlichkeiten waren in diesen Jagen selbst enthalten: ein Jagdimbiss, wenn nicht ein ganzes Festmahl; die Jagdmusik; die bühnenartige Ausgestaltung des Abschussplatzes, auf dem das Wild seine Rolle spielen musste; und schließlich die Menge der Zuschauer.

Die massenhafte Tötung des eingesperrten Wildes war ebenso Anlass zu scharfer Kritik, wie der Kostenaufwand und die Lasten, die bei der Vorbereitung der eingestellten Jagden die Untertanen zu tragen hatte. Ein derartiger Jagdbetrieb verursachte gegenüber den sonst gebräuchlichen Jagden einen erheblichen Mehraufwand: das Richten des Zeugs vor der Jagd, den Transport, das Stellen und Wiederabbrechen nach Beendigung der Jagd; das wiederholte Zusammentreiben des Wildes und Engerstellen des Zeugs. Dies hat man im Jahre 1746 anschaulich beschrieben: „Wie nun zwar die Hauptjagen ergötzend und sehr pompös sind, jedennoch so können dieselben doch nicht offte gehalten werden, die weil so gar viel Wildpret in einem Tage todt gemacht wird. Ferner so sind sie auch sehr kostbar. Denn wenn die viele Zeit betrachtet wird, so darauf gehet, da öffters vier bis fünf Wochen Zeit seyn muß, wie leicht zu erachten, ehe ein gantzer grosser Wald nach und nach ab und zusammengetrieben und ins enge gebracht werden kann; was erfordert es nicht für Auslösungen vor die Jägerey, all dieweil gar viele Jäger, dergleichen Jagen zu verfertigen, seyn müssen? Was gehöret nicht vor viele Anspannung vor die Zeug-Wagen, vor vieles Volck zum Treiben und Stellen?“

Eine am 13. August 1764 veranstaltete eingestellte Jagd in Schwetzingen beschreibt ein Augenzeuge wie folgt: „Die Hauptstraße war mit Bäumchen geziert, welche auf beiden Seiten alle zwei Schritt eingepflanzt waren. Längs der Straße bildete die Miliz Spalier und stand viel Volk. Die Dominikaner, Kapuziner und Jesuiten waren in Reihen vor ihren Kirchen aufgestellt. …. Als man am Ziele angelangt war, erblickte man einen hohen steilen Berg, von dem Bäume und Gestrüpp entfernt waren und den man wie eine Gartenanlage mit Arabesken aus vielfarbigen Erdarten und einer Anzahl bemalter Statuen verziert hatte. Auf dem Gipfel des Berges war ein großes Tor aus Laubwerk, aus dem das von etwa 80 Jägern in grünen, silbergestickten Uniformen bewachte Wild hervorbrechen sollte. Unten am Ufer war ein bemalter Holzbau aufgeführt, der einen Palast mit einer Säulenhalle vorstellte. An beiden Ecken des Palastes waren Pavillons mit Balustraden, in denen sich die Musikanten aufstellten. Im Flusse sah man ein Gerüst, das mit Ornamenten und bemalten Figuren verziert war. Zur Linken erhoben sich die Berge, auf denen die Zuschauer verteilt waren. Der Anblick dieser Volksmenge war sehr anmutig; man sah sicher 10.000 Personen in durchweg heiteren und festlichen Anzügen. Um sich vor der Sonne zu schützen, hatten viele Schirme aus Seidentaft in wechselnden Farben aufgespannt. Als das Zeichen zur Jagd gegeben war, begann man aus dem Tore auf der Höhe die Hirsche in Trupps von 12, 15 und 20 herauszutreiben. Sie wurden von den Treibern zum Tore des am Fluß gelegenen Gebäudes gedrängt, wo sie sich in das Wasser warfen. Sie schwammen dann an dem Zelt vorüber, wo die zwei Kurfürsten mit Büchsen auf sie schossen. Sobald ein Tier getroffen war, eilte eine Barke mit einem Jäger herbei, der den Hirsch beim Geweih ergriff und an das Ufer zog. Um ein Uhr mittags hatte die Jagd ein Ende, 104 Hirsche waren erlegt.“Mit aufwendigen Einfriedungen versuchten die Rothenbucher, sich vor Wilschäden zu schützen.

Bald darauf kam ich vor einem sehr massiven, eichernen Plankenzaun, der wegen des starken Roth- und Schwarzwildstandes ein mageres sandigtes Feldchen einschlisst, in dessen Mitte, tief im Thale, ein Dörfchen liegt, das ein sehr altes trauriges Ansehen hat und Rothenbuch heisst

G. L. Hartig, Forstwitschaftliche Bemerkungen auf einer Reise durch den kurmainzer Spessart, 1793

Solche eingestellten Jagden wurden auch im Spessart des Öfteren abgehalten. So erlegte man bei einer von Kurfürst Emmerich Josef Breidenbach (reg. 1763 bis 1774) ausgerichteten Jagd 120 Wildschweine. Kurfürst Carl Josef von Erthal konnte1787 anlässlich einer eingestellten Jagd immerhin mit einer Strecke von 140 Rehe und Hirsche aufwarten. Grundvoraussetzung für solche Großjagden war ein hoher Wildbestand. Zur Eindämmung von Wildschäden musste manche Spessartgemeinde ihrer Felder und Wiesen mit hohen Einfriedungen versehen. Der Holzmangel am Ende des 18. Jahrhunderts wurde zum Anlass genommen, die Untertanen dazu zu verpflichten, die bis dahin errichteten hölzernen Zäune durch bis zu mannshohe Trockenmauern zu ersetzen. Bei Rothenbuch waren diese 165 cm hoch und 60 cm breit. An Toren und Pfaden wurden besonders im Frühjahr und im Herbst Nachtwachen aufgestellt, um das Einfallen von Wild zu verhindern.

Die landesherrliche Jagd spielte noch während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen Gebieten Deutschlands eine bedeutende Rolle und wurde vielerorts zum Inbegriff der als ungerecht empfundenen adligen Privilegien. Eine solche Jagd bedeutete für die einzelnen Gemeinden im 18. und 19. Jahrhundert dreierlei Belastungen: Jagdfron, Wildschäden auf Feld und Flur sowie Einschränkung und Verbote der Waldweide für das bäuerliche Vieh zur Wahrung hoher Wildbestände. Die landsherrliche Jagdpassion konkurrierte dabei mit den althergebrachten Waldweideberechtigungen der bäuerlichen Bevölkerung. Einschränkungen und Verbote der Waldweide für Rinder, Schafe, Pferde und Ziegen wurden von den Bauern so lange nicht akzeptiert, solange die landsherrlichen Wildbestände nicht reduziert wurden. Nach dem Grundsatz: wo eine Hirschkuh satt wird, wird auch eine Milchkuh genügend Nahrung finden, wurden in Deutschland vielerorts gesetzliche Vorschriften zur Waldweidenutzung ignoriert. Diese Jagd- und Wildproblematik nahm während des Vormärzes und der 1848er Revolution eine Schlüsselfunktion für die Einforderung des Rechtes auf Freiheit ein. In dieser Zeit wurde Wilddieberei als Zeichen der Auflehnung gegen die Obrigkeit von der Bevölkerung in der Regel mitgetragen und gedeckt.

In die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der die eingestellte Jagd allmählich an Bedeutung verlor, fallen auch die letzten Jagden dieser Art im Spessart. Paul Craemer vermerkt in seiner 1892 verfassten Abhandlung über die Jagd im Spessart: „ Der Rest des vormals sehr bedeutenden Jagdzeuges, welches viele Jahre unbenützt in feuchten Räumen des Rothenbucher Jagdschlosses aufbewahrt, kam wieder in Gebrauch, als für S. K. H. den Kronprinzen und späteren König Ludwig I. in der Leibhege eingestellte Jagden auf Hochwild in den Jahren 1819, 1826, 1840 veranstaltet wurden. Eine Neuauflage der alten Prunkjagden mit bedeutend weniger Gepränge. Bei diesen Jagden wurden die Träger der drei im Thorbogen des Schlosses zu Aschaffenburg hängenden Hirschgeweihe … erlegt. Das Jagdzeug kam später in die Jagdzeugscheuer nach Aschaffenburg, wo es in den Achtziger Jahren [des 19. Jahrhunderts] versteigert worden sein soll.“ Die Strecke der letzte eingestellten Jagd im Spessart im Jahre 1840 nimmt sich vergleichsweise kümmerlich aus. Sie betrug 30 Hirsche, 47 Stück Rotwild und ein Wildschwein.

Nach der Aufhebung des fürstlichen Jagdregals im Jahre 1848 fanden in Bayern und in Hessen dennoch bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges weiterhin eingestellte Jagden statt, wenn auch nicht mehr in der freien Wildbahn sondern in Wildparks.

Thementafel der Ausstellung in Miltenberg von 2005