Jagdwaage mit dem Wappen des Mainzer Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Osten (reg. 1743-1763).  Aschaffenburg, Museen der Stadt AschaffenburgDie Jagd hat für den Spessart eine besondere Bedeutung. Schon die erste literarische Erwähnung des Spessart im Nibelingenlied bringt ihn mit der Jagd in Verbindung. Tatsächlich sollte man die Jagd für die Entwicklung des Spessart nicht überschätzen. Gerne werden Schlösser der Grafen von Rieneck oder der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz als Jagdschlösser bezeichnet, tatsächlich handelt es sich meist um Verwaltungszentren, die gelegentlich auch für Jagdaufenthalte genutzt wurden. Auch war der größte Teil des Spessart nie primäres Jagdgebiet, sondern wirtschaftlich genutzt. Nur einzelne Teile wurden als Wildgehege ausgegrenzt, so etwa die Fasanerie oder die späteren Landschaftsparks Schöntal und Schönbusch bei Aschaffenburg, oder das Jagdrevier Bischbrunn. Letzteres behielt seine Bedeutung bis in bayerische Zeit und war ein beliebter Aufenthaltsort für den Prinzregenten Luitpold und dessen Sohn, dem letzten bayerischen Königs Ludwig III.

Der Zustand der Jagdreviere variierte stark, je nach Interesse der jeweiligen Herrscher an der Jagd. Mancher Mainzer Kurfürst, wie etwa Emmerich Josef von Breidbach-Bürresheim, war begeisterter Jäger. Emmerich Josef ließ sich sogar in voller Jagdmontur mit Jagdhund in Lebensgröße abbilden. Andere Kurfürsten entsprachen mehr dem Ideal des Geistlichen und zeigten keine besondere Vorliebe für die Jagd. Entsprechend wurden die Wildgehege im Laufe der Zeit vergrößert und verkleinert, gepflegt oder aber verwahrlosten.

Auch die Jagd war keineswegs immer das edle Weidwerk, das so gerne besungen wird. Im Mittelalter und bis ins 17. Jahrhundert diente sie vor allem der Versorgung der Hofhaltung mit Wildbret. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die höfische Jagd immer mehr zu einem Freizeitvergnügen für elegante Damen und Herren, das insbesondere in der „eingestellten Jagd“, jede Sportlichkeit vermissen ließ. Dabei wurden die Tiere den adeligen Jägern in sorgfältig angelegten Pferchen direkt vor die Flinte getrieben und von erhöhten Tribünen aus abgeschossen. Man konnte sich an Erfrischungen delektieren und akrobatische Einlagen erhöhten das Vergnügen ebenso wie musikalische Darbietungen.

Mit dem Prinzregenten Luitpold kam im späten 19. Jahrhundert noch einmal richtig Leben in die höfische Jagd im Spessart. Vor allem in Bischbrunn schoss man Wildschweine, die im Gehege zuvor aufgezogen worden waren. Ein eigener Kartoffelkeller mit Kartoffelküche wurde angelegt, um die Wildschweine zu mästen. Für die Jagd wurden sie dann auf den spöttisch „Kegelbahn“ genannten Bahnen dem Regenten und seinem Hofstaat zum Abschuss zugetrieben, auf drei Bahnen sorgfältig nach Größe sortiert, dem gesellschaftlichen Rang der Jäger entsprechend. Dennoch erfreute sich der Prinzregent bei den Bischbrunnern dank seiner Leutseligkeit eines hervorragenden Rufes.

Schließlich gab es in der armen Gemeinde, außer der Köhlerei, wenig Erwerbsmöglichkeiten. Da waren die Arbeiten am Wildzaun und im Wildgehege ebenso willkommen, wie der zusätzliche Lohn für die Treiber, oder die legendären Zigarren und Wurstbrote, die der Prinzregent an seine Treiber und deren Kinder verteilte.

Thementafel der Ausstellung in Miltenber von 2005