Bei Ausgrabungen auf dem Areal des Klosters Neudtadt am Main kam dieser bearbeitete Sandstein zu Tage. Er wird heute im Lapidarium des Klosters aufbewahrt.Mit Hilfe der Kulturrundwege des Archäologischen Spessartprojekts werden Regionen neu erschlossen. So konnte der Rundweg in Neustadt am Main die Bedeutung der karolingischen Klostergründung und eines dazugehörigen Wirtschaftshofes wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken.

In der Regierungszeit Karls des Großen (768-814) und seiner Nachfolger wird die Christianisierung Frankens abgeschlossen. Beim Ausbau der kirchlichen Organisation und bei der Errichtung weiterer Klöster und Kirchen spielten das Königshaus, der Ortsadel, die Klöster und Bischöfe die entscheidende Rolle. Im gesamten Raum entstanden Klöster. Zu den bedeutenden zählte auch das Kloster Neustadt am Main. Die Klöster sind die Träger der “karolingischen Renaissance”, einer Blütezeit christlicher Kultur auf antik-humanistischer Grundlage, die Karl intensiv förderte.

Die ehemalige Benediktinerabtei Neustadt ist eine der ältesten und bedeutendsten Anlagen der Region Franken. Sie wurde 768/69 im südöstlichen Spessart vom zweiten Würzburger Bischof Megingoz (gest. um 783) an der Stelle des bis heute nicht lokalisierten Ortes Rorinlacha gegründet. Von hier gingen gemeinsam mit Amorbach starke Impulse der karolingischen Sachsenmission aus.

Neustadt ist somit in zweierlei Hinsicht ein besonderer Ort. Zum einen steht seine Gründung nicht in Bezug zur mittelalterlichen Landeserschließung. Zweitens finden wir hier einen der wenigen Punkte im Spessart, der Mainz niemals unterstanden hat. Die Vorherrschaft des Bistums Würzburg verhinderte weitere Entfaltungsmöglichkeiten des Klosters Neustadt. Nach der erfolgreichen Missionstätigkeit in der spätkarolingischenEpoche fehlen fast aus dem gesamten 10. Jahrhundert Nachrichten über das Kloster. Es tritt uns erst wieder im Jahr 993 entgegen, als es in einer Urkunde Kaiser Ottos III. an Würzburg „zurückgegeben“ wurde und seit dieser Zeit unter würzburgischer Herrschaft verblieb. Diese Unterordnung und Einbeziehung in das Würzburger Bistum dürfte ihren Ursprung in den Ungarneinfällen des 10. Jahrhunderts haben, die Neustadt große Schäden zufügten.

Wie das Kloster selbst, war der Michelsberg oberhalb von Neustadt mehrfach Schauplatz archäologischer Ausgrabungen. Die Michaelskirche steht oberhalb des Klosters am südöstlichen Rand eines beinahe rechteckigen Ringwalls von ca. 120 x 100 m. Mehrere Phasen seines Ausbaus konnten bei den Untersuchungen vor allem in den 80er Jahren festgestellt werden. Die Datierung von Wall und erster Kirche führt aufgrund der technischen Ausführung sowie der Keramik in die Zeit von ca. 770-850. Gründe für die Befestigung des Platzes waren sicherlich das Schutzbedürfnis der Bewohner der Talsiedlung, aber auch die Überwachungsfunktion am Main, der „via publica“ sowie dem königlichen Spessartforst. Da das Kloster Neustadt von Megingoz unter „königlichen Schutz“ gestellt worden war, wäre der Michelsberg auch als administratives Zentrum zur Wahrung königlicher Rechte denkbar, etwa mit einer pfalzartigen Funktion.

Thementafel der Ausstellung in Miltenberg von 2005