Diese Flussperlmuscheln wurden bei Ausgrabungen auf der Burg Bartenstein im Spessart zwischen zahlreichen weiteren Essensabfällen gefunden.Der Wunsch, Perlen wie andere Naturprodukte zu züchten, hat die Menschheit schon früh bewegt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein heimischer Produzent von Perlen sehr früh das Interesse und die Aufmerksamkeit von Naturwissenschaftlern fand – die Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera). Wie der Name bereits andeutet, kommt die Flussperlmuschel in Fließgewässern, genauer Mittelgebirgsbächen und -flüssen vor. Sie ist heut vergleichsweise selten, so dass ihre Bestände in der Regel als Restvorkommen bezeichnet werden. Im Spessart beschränkt sich ihr heutiges Vorkommen auf wenige Bäche.

Wiederansiedlungsprojekte haben hier den Restbestand etwas aufgebessert, allerdings ohne nachhaltige Sicherung. Die Aufzucht von Flussperlmuscheln konnte bislang nicht erfolgreich durchgeführt werden. Daher sind die Überlebenschancen der Flußperlmuschel, im Spessart eher gering einzuschätzen. In vielen Teilen Mitteleuropas ist sie bereits ausgestorben. Historische und aktuelle Ursachen sind dafür offensichtlich der Ausbau und die Verschmutzung von Fließgewässern, der Bau von Fischteichen, der saure Regen und – früher zumindest – die Perlenräuberei.

Man sagt der Flussperlmuschel nach, dass sie nur in sehr reinem und klarem Wasser wachsen kann und sehr sensibel gegenüber Schadstoffeinträgen reagiert. Darüber hinaus durchläuft die Flussperlmuschel einen sehr komplexen Fortpflanzungsmechanismus, der ihre schnelle Verbreitung nicht unbedingt fördert.  Flussperlmuscheln können über 100 Jahre alt werden. Erst mit 20 Jahren werden sie geschlechtsreif. Ein Weibchen kann in einer Fortpflanzungsperiode mehrere Millionen Larven absetzen von denen die meisten jedoch zu Grunde gehen. Sie können nur überleben, wenn es ihnen gelingt, in die Kiemen von Forellen oder Lachsen zu gelangen. Dort nisten sie sich für wenige Wochen ein und entwickeln sich parasitisch zu winzigen Jungmuscheln. Sie sind nur etwa einen halben Millimeter groß, wenn sie die Kiemen wieder verlassen und sich fortan auf dem Bachboden weiterentwickeln.

Für die Perlenbildung gibt es zwei unterschiedliche Entstehungstheorien von verschiedenen Wissenschaftlerkreisen: die “Fremdkörper-Theorie” und die “Parasiten-Theorie”. Die Perlenbildung ist jeweils eine Reaktion auf muschelfremde Substanzen im Muschelinnern. Es wird versucht, diese durch den Einschluss mit Perlmutt zu ummanteln und damit zu isolieren. Nach mehreren Jahrzehnten können auf diese Art und Weise schöne Perlen entstehen. Als besondere Herausforderung sahen es die Wissenschaftler an, Perlen künstlich zu erzeugen. Durch Implantation von Fremdkörpern zwischen Mantel und Muschelschale konnte die künstliche Perlbildung angeregt werden. Durch die Fähigkeit, Schmuckperlen zu bilden, erlangte die Flussperlmuschel eine frühe Aufmerksamkeit. Daher gab es durchweg gute Kenntnisse über das Vorkommen der Flussperlmuschel in Mitteleuropa, die bis in das Mittelalter zurückreichen. Jüngste Funde von Muschelresten bei archäologischen Grabungen auf der Burg Partenstein belegen die frühe Nutzung der Perlen auch für den Spessart.

Immer wieder werden die im Spessart verbreiteten Wässerwiesen in den Zusammenhang mit dem Muschelvorkommen gebracht. Tatsächlich erreichen die Perlmuschelbestände zeitgleich zur flächenhaften Verbreitung des Wiesenbaus ihre Blüte. Durch die Bewässerung (Berieselung) der Wiesen, insbesondere im Frühjahr, wurde der Boden erwärmt und damit die Vegetationsperiode verlängert. Daneben wurden Schwebstoffe aus dem Wasser gefiltert und damit indirekt die Wasserqualität erhöht. Kam dieser Nebeneffekt der Flussperlmuschel zugute?

Die Thementafel der Ausstellung in Miltenberg von 2005