Diese jungsteinzeitlichen Steinbeile sind nach einer langen Odyssee nun wieder im Heimatmuseum in Elsenfeld zu besichtigen.Steinbeile gehören zu den häufigsten archäologischen Funden aus dem Spessart. Die meisten Beile wurden Ende des 19. Jahrhunderts gefunden, als zwei begeisterte Amateurarchäologen den Spessart durchstreiften: Hauptmann von Haxthausen und der Frankfurter Architekt Thomas. Haxthausen verkaufte seine Sammlung um 1900 nach München, Thomas nach Berlin an das Museum für Völkerkunde. Später wurde die Sammlung dem neu gegründeten Museum für Urgeschichte übergeben.

Im Zweiten Weltkrieg ausgelagert, fanden sie von den Sowjets als Kriegsbeute beschlagnahmt ihren Weg nach Russland. In den 1960er Jahren kamen die Beile als Teil einer Schenkung zur „Förderung der sozialistischen Freundschaft“ an die ehemalige DDR zurück nach Ostberlin. Hier wurden die Beile nach dem Fall der Mauer von Markus Marquart, von den Museen der Stadt Aschaffenburg, wieder entdeckt – noch verpackt in den Auslagerungskisten aus dem Zweiten Weltkrieg – mit deutschen und kyrillischen Stempeln versehen.

Die Beile bezeugen die technologischen Revolutionen zu Beginn der Jungsteinzeit. Hatte man davor Beile aus dem harten und spröden Feuerstein oder verwandter Materialien durch gezielte Schläge hergestellt, so wurden nun Beile aus weichem Felsgestein herausgeschliffen. Als Rohmaterial verwendete man Amphybolit. Dieses Gestein war weiter verbreitet, es war zäher und brach nicht so leicht. Der Stein konnte leicht durchbohrt werden.

Erst die Schäftung machte ein Steinbeil zu einem brauchbaren Werkzeug. Die unterschiedlichen Formen ließen sich als Fällbeile oder Dechsel schäften, die gelochten Beile als Äxte oder Setzkeile.

Im Einsatz waren die Beile zur Rodung der Wälder und zur Bearbeitung des Holzes, für den Hausbau ebenso wie für Möbel, Geräte oder Gefäße. Denn die Nutzer dieser Beile waren die ersten Ackerbauern und Viehzüchter in unserer Region. Sie lebten in großen Häusern in Dörfern mit Versammlungshallen, Scheunen, Speichern und Ställen.

An den Beilen ist damit ein entscheidender Schritt in der kulturellen Entwicklung des Menschen ablesbar: der Übergang zu einer sesshaften, bäuerlichen Lebensweise mit der Gründung komplexer sozialer Strukturen, von Dörfern und größeren Stammesverbänden bis hin zu den Staaten der ersten Hochkulturen.

Aber auch für spätere Generationen besaßen Steinbeile eine große Anziehungskraft, auch wenn man erst im 19. Jahrhundert ihre Bedeutung erkannte. So legte der Ritter von Haibach beim Bau seiner Burg ein solches Steinbeil, das wahrscheinlich beim Pflügen im Acker gefunden wurde, in den Fundamentbereich seines Wohnturms, um diesen vor Blitzschlägen zu schützen.

Die bislang mit dem Spessart-GIS erfassten Fundstellen aus der Jungsteinzeit konzentrieren sich im Bereich der fruchtbaren Lößflächen (gelb hinterlegt).

Glaubte man doch im Mittelalter, und noch weit bis in die Neuzeit, dass diese Beile das Produkt von Blitzeinschlägen seien und der Blitz niemals zweimal an derselben Stelle einschlagen würde. Würde man also einen solchen „Donnerkeil“ in das eigene Haus bringen, so wäre es von Blitzschlägen geschützt.

Erst in den vergangenen 250 Jahren erkannten die Menschen allmählich, dass Blitz und Donner physikalische Erscheinungen der Atmosphäre sind. Einer der ersten, der sich mit Blitzen wissenschaftlich beschäftigte, war kein geringerer als der amerikanische Naturwissenschaftler, Schriftsteller, Staatsmann und Mitunterzeichner der amerikanischen Verfassung Benjamin Franklin (1706-1790).

Die Thementafel aus der Ausstellung in Miltenberg von 2005