Die Burg Bartenstein fand bis zur Aufarbeitung ihrer Geschichte im Vorfeld Feierlichkeiten um 775jährigen Ortsjubiläum im Jahre 1985 kaum Beachtung. Seitens der Historiker wurde mehrheitlich die Ansicht vertreten, die Burg Bartenstein und das in Folge des Burgenbaus entstandene Dorf Partenstein als rienecksche Gründung anzusprechen. Davon abweichend vertrat Michael Schulter die Ansicht, schon um das Jahr 1000 soll „auf der steilen, beilartig vorspringenden, felsigen Bergnase ob der oberen Lore und der Wisun (Aubach) ein festes Haus gestanden haben.[1] Seiner Theorie zufolge ist im Jahre 1057 im Zusammenhang mit der Abgrenzung des Pfarreisprengels Lohrhaupten bereits die Rede von der Bildung des Burgfriedens von Bartensteyn. Einen noch früheren Zeitansatz zur Gründung von Burg und Dorf Partenstein wählte der Alfons Ruf. Er weist die Entstehung Frammersbachs und Partensteins der Karolingerzeit zu.[2] Seiner Argumentation folgend kann der in beiden Gemeinden gepflegte Dialekt dahingehend interpretiert werden, dass deportierte Bevölkerung aus Sachsen in der Folge der Sachsenkriege Karls des Großen in beiden Spessartorten angesiedelt wurden. Die Grabungen sprechen mit ihrer bislang primär über die Keramikanalyse gewonnenen Datierung für eine Entstehung von Burg und Dorf kurz vor der Ersterwähnung Partensteins im Jahre 1233.[3]

Unabhängig von der Aufbereitung seiner Geschichte wurde der Burgberg selbst seit dem 19. Jahrhundert zahlreichen bis heute sichtbaren Umwandlungen unterworfen. Sie brachten zum Teil erhebliche, archäologisch nicht begleitete Bodeneingriffe. Dabei wurde sowohl der Kernbereich der Burg als auch das Umfeld bis auf Höhe des Halsgrabens massiv umgestaltet. Aufgrund fehlender Archivalien und einer sehr dürftigen zeichnerischen und fotografischen Überlieferung kann eine Aktionsabfolge rekonstruiert werden:[4]

Noch bis ca. 1815 standen der Überlieferung nach noch mindestens drei Mauern der Burgruine. Ab diesem Zeitpunkt wurden Möglichkeiten der Industriellen und wirtschaftlichen Entwicklung durch den Bayerischen Staat, nachdem dieses Gebiet zu Bayern zugeschlagen wurde. Hierfür wurden zunächst drei Getreidemühlen geplant und in den Jahren 1820 – 1825 gebaut: Die Obermühle, „Mühlgasse“, die Mittelmühle, „Am Schloßberg“ und die Untermühle, „Im See“. Da somit auch die Lohr an den Fuß des Schloßberges verlegt werden musste und somit die Gefahr von herunterstürzendem oder – geworfenem Mauerbrocken der Burgruine, die vorgesehenen Baumaßnahmen gefährdeten, wurden die Ruinenmauern eingelegt. Da die Ruine schon damals ein beliebter aber gefährlicher Spielplatz, für die Jugend war wollte man auch diese Gefahr minimieren. Bei der Niederlegung der Mauern ist nach den Überlieferungen eigentlich auch die Grundformation des Burgplateaus entstanden und zwar ähnlich eine „Kultstätte“. Seit Jahrhunderten wurden dort alle wichtigen Feiern der Gemeinde, wie z.B. Sonnwendfeiern usw. abgehalten.

 

  • Der größte Eingriff in das Areal der Burg Bartenstein fand im Rahmen des Baues der Eisenbahnlinie (Ludwig-West-Bahn – Eröffnung im Oktober 1854) statt. Hierbei soll auch eine vom Areal der Burgruine austretende Quelle verschüttet oder umgeleitet worden sein.
  • ca. 1900: Vortrieb eines Stollens vom Halsgraben aus in Richtung Palas, um dem legendären Gold- oder Weinschatz schatz im Keller zu finden. Der Stollen wurde in den Felsen gesprengt. Vermutlich über die Jahrhunderte tradiert, hielt sich in Partenstein die Vorstellung, dass im Keller Wein liege. Selbst wenn die Holzfässer defekt wären, würde der Wein in einer sich gebildeten Haut liegen.
  • Ab 1910 bis 1931: Nutzung des Burgplateaus durch den örtlichen Schützenverein: Anlage des heutigen Geländeniveau, Nutzung von zwei Mauern als Schießgraben s (1926 = Bundesschießen – 1931 Fahnenweihe)
  • ca. 1935-40: Nutzung des Plateaus innerhalb der Kernburg durch die Hitlerjugend, die NSDAP und die SA: Aufstellung eines weithin sichtbaren Hakenkreuzes, Pflanzung von einer „Hitlerlinde“ und einer „Hindenburgline“, die heute noch die Silhouette des Burgbergs prägen
  • 1942, Nacht auf den Gründonnerstag: Einschlag einer Fliegerbombe südwestlich der Kernburg anlässlich der Bombardierung der Eisenbahnverbindung Aschaffenburg-Gemünden.[5]
  • 1945, 1. April: Kampfhandlungen beim Einrücken der amerikanischen Besatzer am Schlossberg, auf dem sich deutsch Truppen in Stellung gebracht hatten.
  • ca. 1960/70: Versuch eines Partensteiner Bürgers, südlich der Kernburg einen Campingplatz zu errichten. Bei der Anlage des dafür erforderlichen Plateaus wird ein Gutteil der Aufschüttungen zur Schaffung von Stellflächen abgetragen.
  • ca. 1970: Sanierung des baufällig gewordenen Mauerpfeiles in der Südwestecke der Ringmauer. Die sich dort bis dato abzeichnenden Spuren der ursprünglichen Raumgliederung wurden entfernt.
  • 1985 Die Burg Bartenstein wird anlässlich der 750-Jahrfeier der Gemeinde wieder in Erinnerung gebracht. Dafür wird unter anderem ein mannshohes Burgmodell errichtet.
  • 2003 Teile der südlichen Ringmauer werden von einem engagierten Partensteiner Bürger ohne vorherige Abstimmung mit dem Denkmalschutz ans Tageslicht gebracht. Diese Aktion steht am Anfang einer insgesamt sechsjährigen, intensiven Grabungstätigkeit.

Die Gemeinde Partenstein ist Eigentümer eines Gutteils der Liegenschaften auf dem Burgberg. In den Jahren 2003/2004 entschloss sich die Gemeinde, das Bodendenkmal touristisch in Wert zusetzen. Dies bedeutete primär die Sichtbarmachung des Mauerbestandes. Vom diesem war vor Maßnahmenbeginn lediglich die bereits oben genannte Südwestecke der Ringmauer als Mauerpfeiler erhalten geblieben. Während der Grabungskampagnen wurden Teile der archäologisch erschlossenen Bebauung dauerhaft gesichert, indem die Mauerzüge durch Überkronung vor einem weiteren Verfall bewahrt wurden. Als Leitlinie beschränkte man sich auf Anraten der Denkmalschutzbehörden darauf, die Burg in ihren äußeren Abmessungen wieder sichtbar zu machen. Die ursprüngliche Bausubstanz der Kernburg innerhalb der Ringmauer blieb und bleibt auch künftig von Freilegungsarbeiten weitgehend verschont.


[1] Josef Schulter, Ein Zeugnis heimatlicher Geschichte soll erhalten bleiben, in: Main-Post (29.03.1973).

[2] Alfons Ruf, 1200 Jahre Lohr am Main. Karolingische Kolonisation am Ostrand des Spessarts, Lohr a. Main 2003.

[3] Theodor Ruf, Erste urkundliche Erwähnung „Barthenstein´s“ im Jahre 1233, in: Alfons Ruf (Hg.), 750 Jahre Partenstein. Ein Dorf im Wandel der Zeiten, Partenstein 1985, S. 6.

[4] Mit freundlicher Unterstützung durch Heinz Steigerwald, Vorsitzender des Geschichts- und Burgvereins Partenstein.

[5] Holger Breitenbach, Kriegszeiten. Partensteiner Blutzoll über 750 Jahre, in: Alfons Ruf (Hg.), 750 Jahre Partenstein. Ein Dorf im Wandel der Zeiten, Partenstein 1985, S. 90–103.