Aus der Landschaft getilgt
Die Zerstörung der Burg Wahlmich bei Waldaschaff – eine archäologische Spurensuche

Vortrag von Harald Rosmanitz M.A.
am Donnerstag, den 11. Mai 2017, 19.30 Uhr

in der Gaststätte „Old Church“, Schollstraße 26 in 63808 Haibach

Eine Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Haibach, Grünmorsbach, Dörmorsbach

Eintritt frei

Freilegung der westlichen Ringmauer der Burg Wahlmich bei Waldaschaff anlässlich der Ausgrabungen 2016

Im Frühjahr 2016 führte das Archäologische Spessartprojekt gemeinsam mit dem Verein für Heimatpflege Waldaschaff Ausgrabungen auf der Burg Wahlmich bei Waldaschaff durch. Was als Untersuchung einer hochmittelalterlichen Niederadelsburg in der Art der Ketzelburg bei Haibach geplant war, führte zur Aufdeckung einer mit massiven, steinernen Mauern bewehrten und von tiefen Gräben eingefassten Wehranlage. Die Burg Wahlmich wurde im Zuge des Konflikts zwischen dem Grafen von Rieneck und dem Erzbischof von Mainz in den 1270er Jahren im wahrsten Sinne des Wortes von der Landkarte getilgt. Die Zerstörung war umfassend und tiefgreifend. Nur noch die letzten Lagen der Fundamente und massive Steinauffüllungen in den Wehrgräben lassen erahnen, welch imposante Burg hier einst an einer Furt über die Aschaff gestanden haben dürfte. Mit der Zerstörung der Burg Wahlmich verschwand für den Erzbischof von Mainz ein in fremder Hand befindlicher Kontrollposten an einer Zuwegung zum Eselsweg. Die unbehinderte Zugänglichkeit auf diese die Spessarthöhen von Norden nach Süden querende Fernstraße dürfte ein wesentlicher Standortfaktor für das durch Warenaustausch zu Wohlstand gekommene Aschaffenburg gewesen sein. Obwohl die Burgbesatzung vor dem systematischen Abriss alles was nicht niet- und nagelfest war, abtransportierte, lässt sich aus den erhaltenen Scherben, Knochen sowie aus den Eisen- und Messingobjekten vieles über den Alltag auf der Burg ablesen.

Die Grabung auf der Burg Wahlmich ist ein Baustein in einem nunmehr vierzehnjährigen Forschungsprojekt, bei dem in enger Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Engagierten die mittelalterlichen Strukturen des Spessarts an ausgewählten Bodendenkmälern ausschnittsweise untersucht werden. Beispielhaft für vergleichbare Mittelgebirgsregionen sind inzwischen weitreichende, sehr detaillierte Aussagen über die Territorialpolitik, die Wirtschaftsweise und den Alltag in Dörfern, Burgen und Klöstern möglich.

Die Burg Wahlmich ist forschungsgeschichtlich eng mit der Ketzelburg in Haibach verknüpft. Darüberhinaus vermittelt die Burg bei Waldaschaff anschaulich, wie die die Niederadelsburg in Haibach ausgesehen haben könnte, wenn diese nicht mehrere Generationen von ihren Erbauern aufgegeben worden wäre.

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