Scherben, ein Püppchen und ein Schwertknauf

Die Ausgrabungen in der Wüstung Stubach 2015

Vortrag von Harald Rosmanitz, Archäologisches Spessartprojekt
am Freitag, den 26. Februar 2016, 19:30 Uhr
im Gasthaus Schützenhof, Am Wennsberg 1 in 36396 Umbach

Zahlreiche Helfer aus Ulmbach und Umgebung unterstützten die Grabungen in der Wüstung Stubach im Herbst 2015.Während einer zweitmonatigen Grabungskampagne wurde im Sommer und Herbst 2015 unter der Leitung des Archäologischen Spessartprojekts geimeinsam und in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde des Main-Kinzig-Kreises, den ehrenamtlichen Helfern des Arbeitskreises Archäologie des Main-Kinzig-Kreises sowie dem Heimat- und Kulturverein Ulmbach ein Teil der Wüstung Stubach nordöstlich von Ulmbach archäologisch untersucht.

Durch die Grabungen konnten Häuser, Wirtschaftsbereiche und ein Ofen eines am Ende des 12. Jahrhunderts angelegten und in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgegebenen Siedlungsteils aufgedeckt werden. Die dichteste Besiedlung ist für die Zeit um 1350 nachgewiesen. Die in diesem Zusammenhang aufgedeckten Fragmente von verziegeltem Fachungslehm und Firstziegel lassen auf Fachwerkgebäude mit Schilf oder mit Holzschindeln gedeckten Dächern schließen. Diese Siedlungsphase wurde durch einen Brand zerstört

Durch die Grabungen konnte der Wirtschaftsweise der Siedlung auf den Grund gegangen werden. Die in Massen gefundenen Fragmente von Abrahmschüsseln lassen dabei auf eine ausgeprägte Milchwirtschaft schließen. Diese dürfte den Gutteil an verhandelbaren Gütern produziert haben. Auch wurde vor Ort Keramik produziert.

 Den Grabungen in Ulmbach kommt die Rolle eines Pilotprojektes zu. Erstmals für Südhessen lassen sich durch die Grabungen gezielt Fragestellungen formulieren, welche über die Siedlung Stubach hinaus Aussagen über den Alltag, den sozialen Status und das Selbstverständnis der Dorfbewohner ermöglichen. Verlässliche Tendenzen sind jedoch nur unter Einbeziehung zahlreicher Naturwissenschaften, allen voran der Geomorphologie, der Archäologie und auch der Geschichtsforschung möglich. Es bleibt zu hoffen, dass wir nach den Grabungen 2015 in Ulmbach am Anfang spannender Forschungen für die hochmittelalterliche Aufsiedlung des Kinzigtals und seiner Ausläufer stehen.