Geschichten in Schichten*
Diese Darstellung der Burg Bartenstein in der im Jahre 1623 erschienenen und von Daniel Meisner herausgegebenen "Sciographia cosmica" stammt von dem Kupferstecher Johann Eckard Löffler.

Die Burg Bartenstein in der 1623 erschienenen“Sciographia cosmica“.

Die Burg Bartenstein bei Partenstein erhebt sich auf einem vorgeschobenen Sporn südlich des heutigen Ortes Partenstein am Zusammenfluss der Bäche Lohr und Au. Damit kontrollierten die Burgherren von der Anhöhe aus ein Tal, in dem spätestens seit dem 15. Jahrhundert eine Vielzahl von gewinnträchtigen Glashütten aktiv war. Zudem hatten sie jederzeit Zugriff auf die stark frequentierte und gut ausgebaute Handelsstraße zwischen den Salinen in Bad Orb und dem für den Weinhandel wichtigen Mainhafen in Lohr am Main.

Die Burg ist eine Gründung der Grafen von Rieneck, einem ursprünglich vom Niederrhein stammenden Hochadelsgeschlecht, deren Seitenlinie im 12. Jahrhundert ihren Stammsitz auf dem unweit von Partenstein gelegenen Burgberg von Rieneck errichtet. Die Burg Bartenstein wurde bald vor der ersten urkundlichen Erwähnung des benachbarten Partensteins im Jahre 1233 erbaut. Sie zählt zu den bedeutenderen Anlagen ihrer Art im Spessart. Bereits im Jahr 1271 kam es zwischen dem Burgherren, den Grafen von Rieneck, und dem Erzbistum Mainz zu einer bewaffneten Auseinandersetzung, bei der die Rienecker unterlagen. In der Folge mussten sie sich bereit erklären, einige bestehende Burgen zu schleifen und fortan keine neuen Burgen mehr im Spessart zu errichten. Dies würde das Fehlen vergleichbarer, stark befestigter Schutzburgen in den umliegenden Gemeinden erklären.

Im Jahr 1333, nach einem schweren Erbschaftsstreit infolge des Aussterbens der Linie Rieneck-Rothenfels im Mannesstamm, fiel die Burganlage an die Grafen von Hanau. 1339 wurde sie zwischen Hanau und Mainz geteilt und als Ganerbenburg verwaltet, wobei beide Adelshäuser ihre Ansprüche durch Amtmänner vertreten ließen. Der Aufteilung der Anlage zwischen den beiden Herren und den daraus resultierenden Streitigkeiten verdankt die Burg für die Folgezeit einen reichen Aktenbestand. Dadurch wird die Burganlage von Partenstein zu einem ungewöhnlich gut dokumentierten Ausnahmefall in der Burgenlandschaft Unterfrankens.

Am Ende des 15. Jahrhunderts verlor die Burg Bartenstein mit dem Aufkommen von Kanonen mehr und mehr ihre Bedeutung. Die nun nutzlos gewordenen, kosten- und pflegeintensiven Verteidigungsanlagen, insbesondere die hohe Ringmauer wurden teilweise aufgegeben, die Burggräben verwandelten sich in Müllhalden. Die Burg und Teile der nicht befestigten Außenbereiche dienten fortan in erster Line zur Lagerung der Steuerabgaben der ländlichen Bevölkerung. Im Jahr 1579 wohnte der Amtmann von Mainz bereits am Fuße der Burg, die in einer Urkunde von 1618 als „ziemlich baufällig“ beschrieben wird. Zeigt eine 1790 entstandene Zeichnung noch zahlreiche Reste der ehemaligen Bebauung, so hat sich auf den ersten Fotografien der Ruine um 1900 nur noch ein letzter Rest der Ringmauer im Südwesten der Anlage obertägig erhalten. Alles Übrige verschwindet unter Schuttbergen. Mit der Nutzung als Schießplatz für den örtlichen Schützenverein und der Umgestaltung in einen Festplatz durch die Nationalsozialisten gingen weitere, großflächige Erdbewegungen einher. Erst in dieser Zeit erhielt das Burgplateau seine heutige Gestalt.

Nichts sprach vor Beginn der ersten Ausgrabungskampagne durch das Archäologische Spessartprojekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen im Jahre 2003 dafür, dass mit der ersten systematischen archäologischen Untersuchung einer Spessartburg ein stark verändertes Bild der Burgentwicklung sowie der gesamten Wirtschafts- und Kulturgeschichte des südlichen Spessarts entworfen werden muss. Doch machen gerade dies die inzwischen zutage getretenen Befunde und Funde notwendig. Angeregt durch die in Partenstein gewonnenen Erkenntnisse befasst sich das Archäologische Spessartprojekt gemeinsam mit seinen Partnern an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und mit Unterstützung des Bezirks Unterfranken fächerübergreifend mit den Spessartburgen. Durch Prospektion, Vermessung und Kartierung solcher Anlagen im Spessart-GIS sowie archivalische Forschung lassen sich die Burgen als herausragende Quellen für die Erforschung der Kulturlandschaft Spessart erschließen und Konzepte zu einem nachhaltigen, bewahrenden Umgang mit diesen Bodendenkmälern erarbeiten.

Die Ausgrabungen selbst nahmen ihren Anfang in ersten Sondagen durch den Partensteiner Heimatforscher im Frühsommer 2003. Sie mündeten schließlich in der mit starkem persönlichem Engagement vorangetriebenen Aufdeckung der südöstlichen Ecke der Ringmauer. Die folgenden Ausgrabungen fanden auf Anregung und mit tatkräftiger sowie finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Partenstein und den Geschichts- und Burgverein Partenstein e.V. statt. Der jüngste Versuch, fassbare Relikte aus der Vergangenheit der Burg Bartenstein ans Tageslicht zu fördern, steht in einer langen Reihe ähnlicher Unternehmungen. Dies zeigten zahlreiche, bei den Ausgrabungen aufgedeckte, meist jedoch nur oberflächliche Gruben. Sie bestätigen die dörfliche Fama, wonach am Burgberg – bislang jedoch ergebnislos – schon seit mehreren Generationen nach sagenumwobenen Schätzen gegraben wird. Nach dem Ersten Weltkrieg trieb man sogar einen Stollen in den anstehenden Felsen, um so zu einem legendären, bislang jedoch noch nicht nachgewiesenen Burggewölbe vorzustoßen. Als die dafür notwendigen Sprengungen schließlich die Dachziegel des benachbarten Dorfes zum Klappern brachten, wurde die Weiterführung dieses Unternehmens untersagt. Übrig blieb ein fünf Meter tiefer Stollen, der vom Halsgraben der Burg nach Westen unter den ehemaligen Palas führt.

Von Steinraub besonders stark betroffen sind die Ringmauer und die davor gelegene Zwingermauer. Blick auf die Ostseite der Burg 2007.

Von Steinraub besonders stark betroffen sind die Ringmauer und die davor gelegene Zwingermauer.

Schon der erste Aufschluss südlich der Ringmauer mit seinen bis zu vier Meter hohen Kulturschichten ließ erkennen, dass zur weiteren Erforschung der Anlage eine längere Grabung erforderlich sein würde. In Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurden vor der südlich anschließenden Zwingermauer, im östlich der Burg liegenden Halsgraben und im Bereich des ehemaligen äußeren Burgtores in der Nordostecke der Ringmauer archäologische Schnitte angelegt. Von den Untersuchungen versprach man sich neue Erkenntnisse zur Geschichte der Anlage. In erster Linie ging es jedoch darum, mit Hilfe der Aufschlüsse weitere Schutzmaßnahmen für den untertägigen Baubestand entwickeln zu können. Eine Sondage im Mauerinnern unmittelbar hinter der Südostecke der Ringmauer offenbarte den Erhaltungszustand der umschließenden Mauer und lieferte die notwendigen Informationen im Hinblick auf eine fachgerechte Sanierung der freigelegten Baustruktur.

Die bisher aufgrund archivalischer Studien bekannte Nutzungszeit der Burg konnte durch die Analyse der archäologischen Quellen größtenteils bestätigt werden. Demnach wurde die Anlage zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichtet. Lesefunde lassen darauf schließen, dass der Burghügel bereits vor Errichtung dieser Anlage besiedelt war. Die tiefgreifenden Planierungen des 13. Jahrhundert sowie zahlreiche Ein- und Umbauten bis ins 20. Jahrhundert hinein haben jedoch sämtliche Bebauungsspuren aus dieser Zeit vernichtet. Im Gegensatz zur Schriftüberlieferung sind Befunde aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts überrepräsentiert.

Unter den Aufschüttungen des 18. Jahrhunderts hat sich eine mehrphasige Toranlage erhalten.

Unter den Aufschüttungen des 18. Jahrhunderts hat sich eine mehrphasige Toranlage erhalten.

Überraschend war die Aufdeckung eines unerwartet guten Bestandes an noch erhaltenen Mauerzügen und eines sehr breiten, reichhaltigen Fundspektrums. In diesem schlug sich insbesondere die Tätigkeit qualifizierter, ortsansässiger Handwerker wie Knochenschneider, Schmiede, Feinbäcker und Glasmacher. Die Entdeckung eines vergleichsweise aufwändigen Lebensstils auf der Burg, bei dem der Einsatz von figürlich verzierten Kachelöfen ebenso selbstverständlich war wie der Gebrauch von rheinländischem Steinzeug, verändert grundlegend die bisherigen Vorstellungen vom Spessart als weitgehend geschlossenem Waldgebiet, in dem lediglich die Glasmacher aufgrund des Holzreichtums ihrem Gewerbe nachgingen. Demnach war er in jener Zeit nicht nur Transitregion für den Warenaustausch zwischen Antwerpen und Nürnberg. Das Mittelgebirge zwischen Frankfurt am Main und Würzburg war mit seinen Anbindungen an die Flusssysteme Main und Kinzig vielmehr fester Bestandteil einer boomenden Wirtschaftsregion, in der die Glasherstellung einen ebenso festen Platz einnahm wie die Verarbeitung von Holz und Eisen, die Salzgewinnung und die Nutzung der Wasserkraft zur Verarbeitung unterschiedlichster Rohstoffe.

Unmittelbar vor der Ringmauer konnten die Reste einer zweiteiligen Mörtelmischgrube dokumentiert werden.

Unmittelbar vor der Ringmauer konnten die Reste einer zweiteiligen Mörtelmischgrube dokumentiert werden.

Die archäologischen Befunde und Funde der Burg Bartenstein ermöglichen erstmals eine Präzisierung der Baugeschichte und Einteilung in sechs Phasen. Deutlich sichtbares Zeichen der ersten fassbaren Bauphase ist der Halsgraben und die bis zu 160 cm mächtige Ringmauer. Sie umschloss ein dicht bebautes Areal von annähernd 600 Quadratmetern. Die Masse der für die Ringmauer benötigten Steine wurde unmittelbar davor aus dem anstehenden Sandsteinplateau gebrochen. Allerdings erwies sich der stark wasserhaltige rote Sandstein als vergleichsweise mürbe. So mussten die aufgeführten Mauern unmittelbar nach ihrer Errichtung mit einem weiß getünchten Verputz versehen werden. Die mächtigen Buckelquader in den Eckverbänden der Ringmauer wurden von umliegenden kleinen Steinbrüchen herangekarrt. Logistische Planung war auch bei der Vermörtelung der Ringmauer vonnöten. Zwei Mörtelmischgruben im Süden sowie im Osten unmittelbar neben dem äußeren Tor zeigen, dass die wahrscheinlich aus Steinbrüchen aus dem heute hessischen Bieber angefahrenen Kalkbrocken hier gebrannt und mit örtlichem Sand zu Mörtel gemischt wurden. Eine Mörtelanalyse erbrachte darüber hinaus den Nachweis, dass der Mörtel zusätzlich zum schnelleren Abbinden mit Eierschalen und Eiweiß angereichert worden war. Ebenfalls aus der ersten Phase der Burg stammt eine der Ringmauer im Norden, Osten und Süden vorgelagerte Zwingermauer. Durch sie entstand vor der Ringmauer ein annähernd fünf Meter breites Plateau. Im Nordosten fügte man in diese Zwingermauer ein äußeres Burgtor ein. Es konnte in den Grabungskampagnen 2004 bis 2007 genauer untersucht werden. Ein zwei Meter in den Felsen eingetiefter, 4,60 m breiter Burggraben unterstreicht an dieser Stelle die Wehrhaftigkeit der Zwingermauer. Seine allzu schnelle Verfüllung verhinderte eine Trockensteinmauer an seiner Ostwange. Zur Vermeidung der Absandung der Sandsteinsohle wurde der Graben mit einer etwa 20 cm starken festgestampften Humusschicht ausgekleidet. Mörtelbrocken und zerbrochene Ziegel verliehen dieser Mischung zusätzlich Stabilität. Von dem Tor selbst haben sich lediglich die beiden Torwangen erhalten. Sie umschlossen einen 2,30 m breiten Tordurchlass. Alle obertägigen Bebauungsspuren sind hier dem Steinraub und der Erosion zum Opfer gefallen. Vergleichbare Anlagen weisen an dieser Stelle ein Torhaus auf, zu dem man ursprünglich über eine hölzerne Rampe gelangte. Alten Ansichten zufolge führte der Weg in die Burg von diesem Torhaus noch etwa 15 Meter an der dorfseitigen Nordflanke der Ringmauer entlang bis man schließlich durch zwei weitere Tore in den Innenhof der Anlage gelangte.

Ende des 15. Jahrhunderts ersetzte man die hölzerne Brücke über den Burggraben durch eine von zwei Seitenmauern flankierten, aufgeschüttete Rampe.

Ende des 15. Jahrhunderts ersetzte man die hölzerne Brücke über den Burggraben durch eine von zwei Seitenmauern flankierten, aufgeschüttete Rampe.

Der Weg zur Burg führte vom Dorf her über einen steil ansteigenden, gewundenen Pfad hinauf auf den Höhenrücken. Dieser Hohlweg, der „Alte Weg“, bildet heute noch einen von zwei Zugängen zum Burgplateau. Er führt direkt auf das nun sichtbar gewordene, äußere Burgtor. Zusammen mit der Sicherung und Neugestaltung der Fläche um das freigelegte Tor wird der alte Zugangsweg künftig den Besuchern ein eindrucksvolles Bild von der einstigen Bedeutung der Burg Bartenstein vermitteln.

Die zweite Bauphase der Burg Partenstein lässt sich bislang lediglich anhand von Auffüllschichten und Planierungshorizonten fassen. Auffallendes Merkmal ist Protosteinzeug Talheimer Art sowie frühe reliefierte Napfkacheln mit durchbrochenen Vorsatzblättern, wie man sie sonst nur aus der Nordschweiz kennt. Durch das Fundmaterial lässt sich das Ende dieser Phase in das Jahr 1333 bringen, als die Grafen von Hanau die Burg gewaltsam übernahmen. Bei der Eroberung ging auch der weitgehend in Fachwerktechnik errichtete Palas in Flammen auf. Die Schuttschichten der Phase 2 resultieren aus diesem Zerstörungsereignis.

Blick in den freigelegten Burggraben, der ursprünglich als Steinbruch entstanden war. Blickrichtung: Süd.

Blick in den freigelegten Burggraben, der ursprünglich als Steinbruch entstanden war.

Weitere Auffüllungen lassen sich der Phase 3 zuweisen. Keramik und Nischenkacheln aus Dieburg datieren diese Schichten in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Blasige Aufwerfungen der Glasuren sprechen für große Hitzeeinwirkung, was mit entsprechenden Brandschichten im Bereich des Bergfrieds und der daran angrenzenden, nicht unterkellerten Bebauung korrespondiert. Diese Gebäude müssen durch ein Schadensfeuer in Mitleidenschaft gezogen worden sein. In Phase 3 wurde wurde durch die Errichtung einer dem Ringmauertor vorgelagerten Bastion und dem Einbau eines Schießschartenraumes in der Nordwestecke der Ringmauer der modernen Waffentechnik Rechnung getragen. Ein Phänomen, das in deutlich größerem Maßstab auch bei den Grabungen auf der Burg Wildenstein bei Eschau nachgewiesen werden konnte.

Einschneidend Veränderungen fanden in Phase 4 mit Umbaumaßnahmen statt sowie mit der teilweise Auflassung der Burg am Ende des 15. Jahrhunderts. Reste prächtiger Kachelöfen mit Diamantschnittdekor und religiösen Bildinhalten sowie zahlreiche Fragmente von Siegburger Steinzeug belegen den hohen Lebensstandard der Burgbewohner. Die sukzessive Verfüllung des dem Burgtor vorgelagerten Grabens sowie des Halsgrabens verdeutlicht den grundlegenden Wandel, der mit diesem Umbau einherging: Man gab den bis dahin stets gründlich von Unrat und Einschwemmungen gereinigten Burggraben vor dem äußeren Tor auf und schuf mit einer dicht gelegten Steinpackung, die im oberen Bereich von zwei einschaligen Sandsteinmauern flankiert ist, einen auch von schwer beladenen Karren befahrbaren Zugangsweg zur Burg. Der damals noch bis in eine Tiefe von 150 cm zumindest andeutungsweise erkennbare Graben setzte sich von da an bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts komplett mit Schutt zu.

Eine Vorstellung vom ursprünglichen Aussehen des äußeren Tores gibt ein Kupferstich von Johann Eckard Löffler. Dieser ist in der im Jahre 1623 von Daniel Meißner herausgegebenen „Sciographica cosmica“ abgedruckt. Zahlreiche Bauteile der Burg lassen sich mit den aufgedeckten Befunden in Einklang bringen. Allerdings sind auch eklatante Abweichungen festzustellen. Vieles spricht dafür, dass der Künstler seinen Kupferstich nach einer weit älteren Vorlage gearbeitet hat und uns die Burg in einem Zustand vor Augen führt, der zum Zeitpunkt der Anfertigung des Kupferstichs schon gar nicht mehr bestand.

Der Körper der Torrampe bestand aus einer dichten Steinpackung.

Der Körper der Torrampe bestand aus einer dichten Steinpackung.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts (Phase 5) war der Burggraben vor dem äußeren Tor vollständig verfüllt. Dicke Pakete zerbrochener Ziegel vermengt mit abgeschlagenem, teilweise bemaltem Wandverputz geben einen Hinweis darauf, dass in dieser Phase, die mit der archivalisch fassbaren Auflassung von Teilen der Burganlage einherging, doch auch mit Umbaumaßnahmen im Inneren zu rechnen ist.

An der dorfseitigen Böschung konnte sich nur wenig Schutt anlagern. Entsprechend tiefgründig erfolgte hier die Entnahme des Mauerwerks.

An der dorfseitigen Böschung konnte sich nur wenig Schutt anlagern. Entsprechend tiefgründig erfolgte hier die Entnahme des Mauerwerks.

Spätestens in der Mitte des 17. Jahrhunderts begann der mehr als zweihundertjährige Abbruch der Burg (Phase 6). Dabei brachte man die Mauern zum Einsturz und brach die geeigneten Steine heraus. Noch vor Ort wurden sie vom Mörtel befreit und mit Hilfe von Eisenkeilen, die man mit schweren Vorschlaghämmern hineintrieb, verkleinert. Allmählich türmte sich vor der Ringmauer der Abbruchschutt auf einer Höhe von bis zu vier Metern. Darin enthalten waren auch nicht weiter verwertbare Hausteine wie beispielsweise einige Fenstergewände. Die Schuttschicht verhinderte das komplette Abbrechen der Mauern. Auf dem Burgplateau selbst und an der steil abfallenden Nordflanke konnte sich keine solche Schuttschicht anlagern, sodass die Mauern hier bis auf die Fundamentlagen ausgebrochen wurden. Eine der zahlreichen Abrissaktionen führte eindeutig nicht zu dem erwarteten Ergebnis: Als man – sicher mit großem Aufwand – die untersten Lagen der dorfseitigen Nordostecke der Ringmauer niederlegte, verkeilten sich die bossierten Eckquader dermaßen ineinander, dass sie einerseits den weiteren Zugang zur Burg blockierten und andererseits ein Spalten der Blöcke unmöglich machten.

Die verstürzten Eckquader der Nordostecke der Ringmauer haben sich beim Abbruch der Mauern ineinander verkeilt und mussten an Ort und Stelle belassen werden.

Die verstürzten Eckquader der Nordostecke der Ringmauer haben sich beim Abbruch der Mauern ineinander verkeilt und mussten an Ort und Stelle belassen werden.

Nach dem Fundgut zu schließen, das hauptsächlich aus den Aufschüttungen aus dem Burggraben und vor der Ring- bzw. Zwingermauer stammt, war die Burg Bartenstein vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts von Menschen bewohnt, die einen hohen Lebensstil pflegten. Bemerkenswert ist, dass man sich zahlreiche, zum Teil sehr aufwändige Importe leistete. So bezog man am Ende des 14. Jahrhunderts von den Töpfern im hessischen Dieburg mindestens drei verschiedene Nischenkachelöfen. Beispiellos ist auch die Ausstattung mit Flach- und Hohlgläsern. Schon in der ersten Bauphase war die Burg demnach mit bleigefassten Fensterscheiben bestückt. Um 1400 darf man geradezu von einem Überfluss an Glas sprechen. Mit Nuppen oder Fadenauflagen besetzte Flaschen und Becher gehörten dabei ebenso zum Inventar wie gestauchte Flaschen oder Kuttrolfe. Die Variationsbreite der Keramiktypen ist erheblich und reicht von großen Henkeltöpfen über Grapen, Schüsseln und Kannen zu Kreusen und Becher. Hinzu kommen Sonderformen wie Destillierkolben, Backformen und Blumentöpfe.

Aufgrund des kleinräumig geprägten Produktions- und Verbrauchsgebietes sind Form und Dekor des Fundguts weitgehend regional geprägt. Dies gilt insbesondere für die Gebrauchskeramik. Die anteilmäßige Zusammensetzung des Tisch-, Küchen- und Vorratsgeschirrs und ihre Untergliederung in heimische bzw. fremde Produktion kann bei der Burg Bartenstein als Indikator für den sozialen Stand gelten. Sie ist bei weitem nicht nur eine Frage der Funktion und des Geschmacks. Besonders auffallend ist der vergleichsweise hohe Anteil an repräsentativer Tischkeramik. Importe aus dem Rheinland sowie aus Dieburg und eine Vielzahl von Messinggerätschaften aus Nürnberg sprechen hier eine deutliche Sprache. Die bereits erwähnten Ofenkacheln unterstreichen die Bedeutung, die man auf der Burg der Repräsentation zumaß. Hier reichte eine Ausstattung mit Becher- und Napfkachelöfen bei weitem nicht aus. Die Reste von mehr als zwanzig unterschiedlichen Kachelöfen vom 13. bis ins 16. Jahrhundert sind fast durchwegs von hoher Qualität. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, dass auf der Burg Bartenstein einer der ältesten reliefverzierten Kachelöfen Süddeutschlands stand. Aus dem Fundgut geht weiterhin hervor, dass im unmittelbaren Umfeld der Burg seit dem 13. Jahrhundert spezialisierte Handwerker ihrem Gewerbe nachgingen. Dazu zählen Knochenschnitzer und Kammmacher ebenso wie ein Glasbläser.

Mit den Grabungen auf der Burg Bartenstein wird der für das späte Mittelalter und die frühe Neuzeit wissenschaftlich wenig erschlossene Spessart in ein neues Licht gerückt. Die Frage nach dem Sinn und Zweck einer solchen Wehranlage mit ihren bis zu 160 cm dicken Mauern stellt sich nun nicht mehr. Vergleichende Untersuchungen in den alten Dorfkernen sind nötig, um die wirtschaftliche Grundlage für diesen Wohlstand im holz- und metallreichen Spessart mit seinen zahlreichen verarbeitenden Werkstätten und Mühlen besser zu verstehen. So erbrachte eine kleine Baubeobachtung im benachbarten Frammersbach nicht nur reiche Funde verschiedener Handwerksbetriebe, sondern auch Spuren einer intensiven Waldnutzung, die zu massiven Überschwemmungen und Hangrutschungen führte. Eines zeigen die Resultate der archäologischen Untersuchungen auf der Burg Bartenstein schon jetzt: Die viel beschriebene Armut im Spessart ist weniger das Resultat der Verelendung einer schon immer unterstrukturierten Region. Vielmehr wird mit der Armutsdiskussion im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert letztlich der Verfall bzw. der Verlust des ehemaligen Reichtums und der ehemaligen Bedeutung als Wirtschaftsraum beklagt – der Rückfall einer facettenreichen Kulturlandschaft in die absolute Bedeutungslosigkeit.

*  Harald Rosmanitz, Neues von der Burg Bartenstein im Spessart. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2005, S. 131-133. Stark überarbeitete und erweiterte Fassung 2015.

Weiterführende Literatur:

Herbert Bald: Münzfunde aus Partenstein. Spessart 99, 2005, S. 3-19.

Werner Loibl: Burg Partenstein.
In: Gemeinde Partenstein (Hg.), 750 Jahre Partenstein. Ein Dorf im Wandel der Zeit, Gemünden/Main 1985, S. 29-36.

Harald Rosmanitz: Auf den Spuren des Spessartglases. Archäologische Untersuchungen auf der Burg Bartenstein bei Partenstein.
In: Helmut Flachenecker, Gerrit Himmelsbach, Peter Steppuhn (Hgg.): Glashüttenlandschaft Europa. Beiträge zum 3. Internationalen Glassymposium in Heigenbrücken, Spessart (Historische Studien der Universität Würzburg Bd. 8), Regensburg 2008, S. 84–94.