Wie die Spinne im Netz

Der Spessart und seine europäische Vernetzung in Mittelalter und Neuzeit

Vortrag von Dr. Gerhard Ermischer, Archäologisches Spessartprojekt
am Donnerstag, den 11. Juni 2015, 19.30 Uhr im Wirtshaus 1890, Jahnstraße 1 in 97833 Frammersbach

Eintritt frei

Der Spessart wird geprägt vom Klischee Armut, Wald und Räuber. Tatsächlich aber war der Spessart schon in der Vorgeschichte ein interessanter Wirtschaftsraum, der von den Rändern her aufgesiedelt und als Rohstoffquelle genutzt wurde. Im Mittelalter entwickelte er sich zu einer zentralen Wirtschaftslandschaft, deren reiche Ressourcen sowohl zur Rohstoffentnahme als auch zur vorindustriellen Verarbeitung genutzt wurden. Holz, Wasserkraft, Erze, Salz, Bausteingewinnung, Kalkbrennerei und Keramikproduktion wetteiferten um Material und Raum im Spessart. Der Main diente als Wasserstraße für den Transport schwerer Güter, doch war der Spessart auch durchzogen von überregionalen und regionalen Verkehrswegen. In diesem Wirtschafts- und Verkehrsraum entwickelten sich auch die Frammersbacher Fuhrleute zu den Logistikunternehmern des 15. und 16. Jahrhunderts. Das wirtschaftliche, finanzielle und politische Beziehungsgeflecht in dem der Spessart eingebunden war rückte die Region in das Zentrum Europas, verband sie mit Handelsplätzen wie Venedig, Augsburg, Frankfurt, Köln oder Antwerpen, zwang die im Spessart tätigen Unternehmen zu radikalen Anpassungen an weltgeschichtliche Veränderungen und spiegelt sich in den archäologischen Funden, Spuren in der Landschaft aber auch in kulturellen und sprachlichen Eigenheiten bis heute wider. Der Vortrag stellt diese Entwicklung bis hin zu der Armutsperiode des 19. und 20. Jahrhunderts anhand der Forschungen des Archäologischen Spessartprojekts in den vergangenen 16 Jahren vor und zeichnet ein lebendiges Bild von dem vernetzten Wirtschaftsraum Spessart dar.