Kloster Elisabethenzell war das Pilot-Projekt für die Nutzung eines detaillierten Digitalen Geländemodells für Vorhaben des Archäologischen Spessartprojekts. Von der Bayerischen Vermessungsverwaltung sind dazu freundlicherweise Daten für eine Fläche von 1km² rund um das Klosterareal kostenfrei für Testzwecke zur Verfügung gestellt worden.

Grundsätzliche Ausführungen zu einem Digitalen Geländemodell (DGM), zu dem diesem zu Grunde liegenden Messverfahren „Airborne Laserscanning“ (ALS), zur Visualisierung des DGM für archäologische Zwecke und zur Bedeutung der Methodik für die Erfassung und den Nachweis archäologischer und kulturgeschichtlich relevanter Objekte im Spessart finden sich im entsprechenden Beitrag zur Altenburg.

Das „Timing“ hätte kaum besser sein können. Erste Ergebnisse der DGM-Visualisierung standen Anfang März 2012 zur Verfügung und konnten so noch rechtzeitig zur Vorbereitung der im Mai 2012 begonnenen Grabungen genutzt werden. Die Reaktion des Grabungsleiters bei der Ansicht der ersten DGM-Visualisierungen hat deren Wert für die bevorstehenden Arbeiten deutlich zum Ausdruck gebracht: „Ich bin hin und weg. … Jetzt verfügen wir über eine Steilvorlage für unsere Grabungen …”.

Mit den nachstehenden Abbildungen wird diese euphorische Einschätzung nachvollziehbar. Die Schräglichtschummerung zeigt sowohl die Großformen des Geländes wie auch die Details an der Geländeoberfläche in einer pseudoplastischen, geometrisch exakten und damit kartenähnlichen Weise. Die für archäologische und kulturhistorische Fragestellungen besonders interessanten Geländekleinformen – das sog. Mikrorelief, das sich aus dem lokalen mittleren Geländeniveau teilweise nur um einen oder zwei Dezimeter heraushebt bzw. in dieses eingetieft ist – können mit einer entsprechenden Aufbereitung des DGM verdeutlicht werden; für diese Visualisierungs-Variante sind die Großformen des Geländes rechnerisch eliminiert worden, so dass eine fiktive ebene Geländeoberfläche mit dem Mikrorelief übrig bleibt. Sehr anschaulich, besonders für Laien, sind darüber hinaus zusätzliche 3D-Schrägansichten aus verschiedenen Perspektiven auf das Gelände.

Aufschlussreich ist auch ein Vergleich des Digitalen Geländemodells mit den Ergebnissen der Georadar-Sondierungen und erst recht mit den tatsächlichen Grabungsbefunden. Die Fotos des Projektgebietes im Abschnitt „Georadar“ zeigen, dass die Geländeoberfläche uneben ist und mehrere kleine Hügel enthält. Ob diese in ihrer Gesamtheit auf menschliches Wirken hindeuten, z. B. durch geradlinige und/oder rechteckige Strukturen als Indizien für weitgehend verschliffene ehemalige Wälle oder Mauerreste, kann örtlich aus der Perspektive des Betrachters oder Fotografen und auch wegen des teilweise störenden Baumbestands nur schwer beurteilt werden. Die DGM-Visualisierung lässt solche Strukturen dagegen gut erkennen, selbst dann, wenn deren Höhenunterschiede vor Ort kaum noch auszumachen sind. Im Luftbild – genauer: im Orthofoto, dem verzerrungsfreien und georeferenzierten Luftbild –, das zufällig während der Grabungskampagne des Jahres 2014 aufgenommen worden ist, sind Teile der Grabungsflächen mit freigelegten Mauern zu sehen. Auf diese Bildelemente ist die Umzeichnung der Grabungsbefunde eingepasst und so ebenfalls georeferenziert worden. Der Vergleich des DGM und der Bodenradar-Sondierungen mit den Grabungsbefunden zeigt zwar, dass beide stellenweise mit den Grabungsbefunden korrespondieren, in besonderem Maß gilt dies aber für die im DGM sichtbaren geometrischen Strukturen. Sie lassen darüber hinaus erahnen, wo zukünftige weitere Ausgrabungen Erfolge versprechen.

Die DGM-Visualisierungen zu Kloster Einsiedel waren so überzeugend, dass seitdem zu nahezu allen neuen und teilweise auch zu bereits abgeschlossenen Vorhaben des Archäologischen Spessart-Projekts DGM-Daten von der Bayerischen und der Hessischen Vermessungsverwaltung erworben und entsprechend aufbereitet werden bzw. worden sind. Zu Kloster Einsiedel sind die bisherigen, mit eingeschränkten Nutzungsrechten versehenen kostenfreien Testdaten deshalb nachträglich ebenfalls käuflich erworben worden, zusammen mit DGM-Daten für die weitere Umgebung des Klosters Einsiedel und für eine anschließende Teilstrecke der Birkenhainer Straße. Denn auch für das aktuelle ASP-Vorhaben „Birkenhainer Straße“ erweist sich abermals der Wert „richtiger“, an der Zielsetzung des jeweiligen Vorhabens orientierter DGM-Visualisierungen: Die Schräglichtschummerung und die Mikrorelief-Darstellung der ersten beiden Abbildungen zu diesem Abschnitt zeigen am rechten Bildrand Hohlwege und ehemalige Fahrspuren der Birkenhainer Straße. Folglich lassen sich mit Hilfe von DGM-Visualisierungen über den gesamten Trassenverlauf der Birkenhainer Straße deren im Geländerelief erhaltene Spuren sicher detektieren und dokumentieren. Und in der letzten Abbildung zeigt die Böschungsschummerung, bei der das Gelände senkrecht von oben beleuchtet und entsprechend dem Prinzip „je steiler desto dunkler“ wiedergegeben wird, quasi automatisch den natürlichen Trassenverlauf der Birkenhainer Straße entlang ebener oder nur leicht geneigter Bergrücken (heller Streifen) zwischen den beiderseits abfallenden Berghängen (dunkle Flächen).


Karl-Heinz Gertloff, Egelsbach 2015