Südostansicht von Partenstein, um 1900. Der Burgberg (links) weist einen dichten Baumbestand auf.

Foto: Geschichts- und Burgverein Partenstein
Blick auf den Mauerstumpf in der Südwestecke der Burg Bartenstein, 1930er Jahre

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Blick auf den Mauerstumpf der Burg Bartenstein vor dessen Sanierung im Jahre 1980

Foto: Geschichts- und Burgverein Partenstein

Die relativ große Anzahl von Ansichten Partensteins sind in der Regel auf Streitereien zwischen den Erben Rienecks, zwischen Würzburg und Mainz oder Mainz mit Hanau zurückzuführen. Teilweise sind die lediglich schematischen Zeichnungen nur Ausschnitte aus Karten, die in der Zeit zwischen 1550 und 1625 entstanden. Mit Ausnahme der dekorativen Ansicht aus Meißners Ansichtswerk kann man deshalb nicht von Veduten reden. In der vergleichenden Betrachtung erlauben sie jedoch einige Rückschlüsse auf das ursprüngliche Aussehen der verschwundenen Anlage.

Darstellung der Burg Bartenstein ("Schlos") auf der Pfinzing-Karte von 1594 (StA Nürnberg)

Darstellung der Burg Bartenstein („Schlos“) auf der Pfinzing-Karte von 1594

Datierbar, aber leider wenig der Wirklichkeit entsprechend, ist der sog. Pfinzing-Atlas im Stadtarchiv Nürnberg1. Diese Karte über den gesamten Spessart aus dem Jahre 1594 geht auf eine Vorlage von 1562/63 zurück. Der Mainzer Erzbischof benötigte nach dem Erbfall eine neue Übersicht über den Spessart. So wie in anderen Fällen nachgewiesen, ist auch bei „Partenstein“ die Abbildung nicht wirklichkeitsgetreu. Die schematische Zeichnung eines „schlos“ zeigt lediglich ein hohes Gebäude innerhalb einer Ringmauer auf einer Anhöhe.

Darstellung der Burg Bartenstein auf einer Karte um 1550 (StA Würzburg, Mainzer Risse und Pläne, XI/54)

Darstellung der Burg Bartenstein auf einer Karte um 1550

Aussagekräftiger ist der Ausschnitt aus einer kolorierten Karte über den zwischen Mainz und Würzburg strittigen „Haderwald“2. Nach einer über 100-jährigen Kontroverse erfolgte die Einigung erst 1585 im Lohrer Schloß. Da die Karte um 1550 datiert werden kann, ist dies die derzeit älteste Partensteiner Ansicht. Im Gegensatz zu der einigermaßen exakten Topographie Lohr auf der gleichen Karte scheint „Bartenstein“ verzeichnet. Der überhohe und steile Burgberg stützt eine Anlage, bei der Ringmauer und zwei Türme ein Wohngebäude schützen. Bauten einer Vorburg sind angedeutet, der Berg ist einseitig bewaldet.

Entwurf für die Karte um 1550 (StA Würzburg, Mainzer Risse und Pläne, XI/53)

Entwurf für die Karte um 1550

Während diese Ansicht sehr schwer mit der ehemaligen Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen ist, gibt die ebenfalls im Staatsarchiv Würzburg liegende Entwurfskarte hierfür Erklärungen3. Danach ist der linke Turm ein eckiges Gebäude, das auch anderen Zwecken dienen kann. Hingegen wurde der rechte Turm deutlich höher gezeichnet und damit einem Bergfried ähnlich. Eine Zuordnung auf den historischen Grundriß bleibt jedoch problematisch.

Partenstein auf der Karte der Jagdbezirke Prozelten und Rieneck, um1600 (StA Würzburg, Mainzer Risse und Pläne, XI/69)

Partenstein auf der Karte der Jagdgerechtigkeiten im östlichen Spessart, um 1600

Bedeutend genauer sind die Ortsansichten auf einer Karte über die Waldungen im Bereich Rieneck-Partenstein wiedergegeben, die auf der Rückseite die Inschrift trägt: „Riß über die Jagens gerechtigkeit im Ömmel amt Prodzelden und Rineck.“4 Die Karte enthält die Wappen von Hanau und Mainz zur Kennzeichnung der jeweiligen Jagdrechte und dürfte in die Zeit um 1600 zu datieren sein. Obwohl die einzelnen Bauten nur angedeutet wurden, ergibt sich insgesamt ein wirklichkeitsnahes Bild. Demnach trennt die Lohr das deutlich ausgeführte Dorf „Partenstein“ vom Burgberg. Aubach und Lohr werden durch Brücken überspannt. Am Fuße des Burgberges stehen zwei Gebäude, wovon eines als Mühle gekennzeichnet ist. Die Burg wird wie in Rieneck durch einen Punkt im Kreis betont und durch einen Weg auf der Höhe mit dem Hinterland verbunden. Als Gebäude sind ein mit einem Treppengiebel gekrönter turmartiger Wohnbau, ein niederer Turm und ein Zwischentrakt auszumachen. Die Ansicht könnte dem Blick auf die Südseite entsprechen.

Burg Bartenstein auf einer Karte um 1585 (StA Marburg, Karte P II 14 930)

Burg Bartenstein auf einer Karte um 1585

Falsch postiert wurde die Burg auf einer Karte im Staatsarchiv Marburg5. Nicht am Zusammenfluß von Lohr und Aubach, sondern an einen fiktiven Hang Lohr aufwärts wurde die Anlage verlegt. Man erkennt den Burgweg, einen mächtigen, überproportionierten Turm und ein Konglomerat von Bauten, die sich zu einem stattlichen Bau gruppieren. Die Karte ist mit reich verzierten Wappen versehen, wobei das rieneckische Wappen mit einem Totenschädel abgeschlossen wurde. Anlaß dürfte demnach ebenfalls der Erbfall der Rienecker gewesen sein, Auftraggeber der Mainzer Erzbischof. Da sich darauf sowohl das Wappen Daniel Brendel von Homburgs (gest. 1582) als auch das seines Nachfolgers Wolfgang von Dalberg finden läßt, und ein Markstein mit 1583 datiert ist, wird die Karte um 1585 entstanden sein.

Burg Bartenstein und Dorf auf einer Karte des Amtes Rieneck und Umgebung, 1584 (Staatsarchiv Marburg, Karte R II 44)

Burg Bartenstein und Dorf auf einer Karte des Amtes Rieneck und Umgebung, 1584

Zeitgleich und abhängig erscheint die Karte über das Lohrtal und angrenzende Gebiete, die auffallenderweise die Burg „Bartenstein“ auch an der falschen Stelle zeigt6. Sie gehört wie die vorhergehende zu einer Gruppe von Karten, die im Zusammenhang zu sehen sind. So wird auch die unverständliche Topographie der Burg auf Ansicht 5 nachträglich erklärt. Es ergibt sich nämlich beim genauen Vergleich, daß die sehr blasse Ansicht 6 mit der Vedute Meißners übereinstimmt. Damit wird nicht nur dessen exakte Wiedergabe bestätigt, sondern auch eine zweifelsfreie Zuschreibung vorgenommen. Zugleich wird der übermächtige Turm auf der vorhergehenden Marburger Zusammenfassung als falsch interpretierter Torbau und Mainzer Bau verständlich und die zeitliche Reihenfolge der Marburger Karten bestimmt.

Ansicht der Burg Bartenstein auf einem Kupferstich in Daniel Meißners "Sciographia cosmica" von 1623

Ansicht der Burg Bartenstein auf einem Kupferstich in Daniel Meißners „Sciographia cosmica“ von 1623

Um 1620 dürfte die aussagekräftigste Ansicht der Burg Partenstein entstanden sein, die 1623 in Daniel Meißners „Sciographia cosmica“ erschien7. Der Künstler Johann Eckard Löffler hat rechts unten signiert, der Text stammt von Johann Ludwig Gottfried aus Offenbach, hat jedoch keinen Bezug zur Vedute. Die Ansicht dürfte mit der historischen Realität identisch sein, sie liegt auch der Baubeschreibung zugrunde. Löffler kann als exakter Schilderer gelten, wie die Ansicht 6 und die Untersuchungen in Lohr gezeigt haben.

Grundriß der Burg Bartenstein von 1621 (StA Würzburg, G 7051). Legende: 1. Thor. 2. Vorhoff. 3. Thor. 4. Hoff. 5. Capellenthür unden im Hoff. 6. Gemaine Capellen. 7. Thurm. 8. Maintzischer Baw. 9. Hanawischer Baw. 10. Maintzischer Baw. 11. Maintzischer Viehestall.

Grundriß der Burg Bartenstein von 1621

Der Meißnerschen Ansicht entspricht der Grundriß aus dem Jahre 1621 im Staatsarchiv Würzburg8. Seine Proportionen der Gebäude stimmen mit dem Aufriß überein, die mitgegebene Legende ist zweifelsfrei. Lediglich die Zuordnung nach Himmelsrichtungen machte in der Vergangenheit Probleme, obwohl der Grundriß die Vedute bestätigt: unten ist Norden, oben Süden, links Osten, rechts Westen.

Planskizze der Burg Bartenstein, um 1600 (StA Würzburg, MRA Hessen-Kassel, 583 II/K 343)

Planskizze der Burg Bartenstein, um 1600

Eine Bestätigung für die gewählte Ausrichtung liefert die erst 1984 von Theodor Ruf im Staatsarchiv Würzburg gefundene Planskizze aus der Zeit um 16009. Sie dürfte im Zusammenhang mit dem um die gemeinsame Benutzung des Turmes anhängenden Kammergerichtsprozesses entstanden sein. Die Ansicht ist deshalb verwirrend, weil der Zeichner der besseren Darstellung wegen, die Gebäude etwas verschoben hat. So läßt er den Nord- und Südflügel trapezförmig zueinander stehen und klappt den Mainzer Bau an der Westseite nach unten. Der dafür ungebührlich vergrößerte Torbereich wird zu einer Art Hof, der jedoch mit den tatsächlichen Proportionen nichts zu tun hat. Trotzdem liefert der Plan gemeinsam mit der ausführlichen Legende einige wesentliche Ergänzungen zur Rekonstruktion der Burg. Dazu gehört die deutliche Ausformung des Turmes und die Zuordnung des Hanauer Baues über die Kapelle hinweg. Aber auch die Existenz eines großen Vorhofes ist darauf verbürgt, was sowohl nach dem Grundriß als auch nach der Vedute nicht möglich war.

Diesen Vorhof bestätigt auch eine kolorierte Ansicht, die sich auf einer Karte des Lohrgebietes zwischen Partenstein und Lohr um 1600 findet10. Darauf erkennt man neben der Vorhofmauer die schematischen Gebäude von Turm und Hanauer Bau, auch den Mainzer Bau mit Kamin.

Ansicht der Ruine der Burg Bartenstein auf dem Prospekt von 1790 (aus: Spessart 1951, Nr. 6, S. 11)

Ansicht der Ruine der Burg Bartenstein auf dem Prospekt von 1790

Die Zerstörung dokumentiert der mit 1790 datierte Prospekt, dessen Original sich ursprünglich im Pfarrarchiv befunden haben soll11. Halsgraben, Stufengiebel am Mainzer Bau und Turmreste erlauben eine Zuordnung und künden von verschwundener Pracht.


aus: Werner Loibl, Burg Bartenstein, in: Gemeinde Partenstein (Hg.), 750 Jahre Partenstein. Ein Dorf im Wandel der Zeiten, Gemünden/Main 1985, S. 29-36.

  1. Stadtarchiv Nürnberg, Pfinzing-Atlas.
  2. Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Risse und Pläne, XI/54.
  3. Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Risse und Pläne, XI/53.
  4. Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Risse und Pläne, XI/69.
  5. Staatsarchiv Marburg, P II 14 930.
  6. Staatsarchiv Marburg, R II 44.
  7. Die Burg wird zwar bis zum Dreißigjährigen Krieg archivalisch mehrfach als bewohnt erwähnt, die Ansicht dürfte jedoch als Zeichnung (ß) bereits um 1550 entstanden sein. Zu dieser Zeit erlebte die Anlage ihre archäologisch nachgewiesene letzte Blüte (Red.).
  8. Staatsarchiv Würzburg, G 7051.
  9. Staatsarchiv Würzburg, MRA Hessen-Kassel, 583 II/K 343.
  10. Staatsarchiv Würzburg, MRA Hessen-Kassel, 580/K 342
  11. Spessart 1951, Nr. 6, S. 11.