Neues zur Ketzelburg

Die Ausgrabungen im Herbst 2014

Vortrag von Harald Rosmanitz, Archäologisches Spessartprojekt
am Donnerstag, den 23. April 2015, 19:30 Uhr im Schützenhaus in Haibach (Ankergasse, 63808 Haibach)

Grabungen im Bereich des Palas auf der Ketzelburg im Herbst 2014Die Ausgrabungen auf der Ketzelburg in Haibach fanden in Ergänzung zu den Grabungen 2004/05 im Herbst 2014 ihren vorläufigen Abschluss. Der Heimat- und Geschichtsverein Haibach – Grünmorsbach – Dörrmorsbach e.V. untersuchte in drei Monaten gemeinsam mit dem Archäologischen Spessartprojekt und unterstützt durch die Gemeinde Haibach Teile des Burgstalls. Die Grabungen waren aufgrund der für 2015 geplanten Errichtung einer Holzpalisade notwendig geworden.

Die Bodeneingriffe brachten wesentliche Erkenntnisse zur Entstehungszeit der Gemeinde Haibach im ausgehenden 12. Jahrhundert. So verfügte die vergleichsweise kleine, hauptsächlich aus Holz errichtete Anlage über eine ihr südlich vorgelagerte Vorburg, in der man, vermutlich wegen der Brandgefahr, eisenverarbeitendes Gewerbe ausgelagert hatte. Die hier ergrabenen Spuren eines Rennofens liefern den Nachweis, dass man am damals waldreichen Spessartrand sogar weitab von entsprechenden Lagerstätten Erze zu schmiedbarem Eisen verhüttete. Der Rennofen belegt damit, dass bereits rund 200 Jahre vor der ersten schriftlichen Erwähnung von Eisenverarbeitung im Spessart Eisen produziert wurde. Eisen war zu jener Zeit ein wertvolles Gut. Der Burgherr in Haibach kam durch das einträgliche Gewerbe zu Wohlstand. Er konnte es sich leisten, neben seinem Wohnturm mit dem Bau eines steinernen Palasts zu beginnen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte auch der Erzbischof von Mainz auf die Ketzelburg aufmerksam geworden sein. Der von ihm ausgeübte politische und wohl auch wirtschaftliche Druck dürfte dazu geführt haben, dass die Burg aufgegeben wurde, und zwar noch bevor der Palast fertiggestellt werden konnte.

Die Ketzelburg in Haibach war nur eine Generation lang bewohnt. Der kometenhafte wirtschaftliche Aufstieg des dort ansässigen Adligen brachte ihn bald in eine Konkurrenzsituation mit dem Aschaffenburger Stift St. Peter und Alexander – und damit auch mit dem Erzbischof von Mainz. Der Haibacher musste sich dem Druck eines der mächtigsten Fürsten im Deutschen Reich beugen. Für die Archäologie stellt die vollständige Aufgabe der Burg einen einmaligen Glücksfall dar. Die Geschichte der Ketzelburg zeigt, dass der westliche Spessart im Hochmittelalter eine High-Tech-Region war, in welcher bereits vor 1200 der begehrte Werkstoff Eisen gewonnen und verarbeitet wurde. Die jüngsten Grabungen erbrachten somit für alle Beteiligten unerwartete Ergebnisse. Sie sind für die Kulturlandschaftsforschung im Spessart von größter Bedeutung.