Im Airborne-Laserscan sind die Geländestrukturen am "Alten Schloss" sowie die Grabungsschnitte der Kampganen 2005 und 2006 deutlich zu erkennen (Norden oben). Datengrundlage: Bayerische Vermessungsverwaltung, Bearbeiter: Karl-Heinz Gertloff, Egelsbach

Im Airborne-Laserscan sind die Geländestrukturen am „Alten Schloss“ sowie die Grabungsschnitte der Kampganen 2006/2007 deutlich zu erkennen (Norden oben)

Das „Alte Schloss“ bei Kleinwallstadt ist schon alleine aufgrund seiner Abmessungen eine der eindrücklichsten Burganlagen des Spessarts. Noch heute ist der der Vorburg vorgelagerte Abschnittsgraben und Fundamente jener Ringmauer obertägig sichtbar, die ursprünglich die Oberburg vollständig umschloss. Bislang ist es noch nicht gelungen Urkunden aufzufinden, die direkt auf diese Anlage Bezug nehmen.

Der mit digitalen Laserscan-Daten mögliche waldfreie Blick nach Süden verdeutlicht die Lage und topographische Situation des "Alten Schlosses". Die tief eingeschnittenen Erosionsrinnen sind wahrscheinlich erst infolge des Burgbaus und der Landnutzung in deren Umfeld entstanden. Datengrundlage: Bayerische Vermessungsverwaltung, Bearbeiter: Jürgen Jung, Spessart-GIS

Der mit digitalen Laserscan-Daten mögliche waldfreie Blick nach Süden verdeutlicht die Lage und topographische Situation des „Alten Schlosses“. Die tief eingeschnittenen Erosionsrinnen sind wahrscheinlich erst infolge des Burgbaus und der Landnutzung in deren Umfeld entstanden.

Das „Alte Schloss“ liegt ca. 2km östlich der Ortschaft Kleinwallstadt auf einer bewaldeten, spornartigen Anhöhe zwischen Plattenberg (275m ü. NN), Dörnethshöhe (291,7m ü. NN) und Kirchöhe (281m ü. NN). Diese Höhen bilden gleichsam den Anstieg des Spessarts im westlichen Bereich des Mainvierecks. Sie leiten über die Höhenrücken Eicheslhöhe, Eichelsberg und Große Solhöhe zum Hochspessart über, der am Geiersberg östlich Rohbrunn mit 586m ü. NN seine höchste Erhebung besitzt. Der Main umfließt dieses Gebiet im Niveau von 120 bis 100m ü. NN und bildet das lokale Vorfluterniveau. Der Kohlplatzgraben entwässert in einem Art Talkessel das Gebiet um das „Alte Schloss“. Diesem perennierenden Gewässer streben episodisch wasserführende Gräben zu, welche das gesamte Areal des Talkessels in einzelne spornartige Höhen gliedern. Der deutlichste und markanteste Sporn wurde für den Bau des Alten Schlosses genutzt. Dieser Bergsporn erreicht in der Oberburg absolute Höhen von 180m ü. NN und liegt damit etwa 30 Höhenmeter über dem Niveau der scharf eingeschnittenen Gräben „Schlossgraben“ und „Saugegraben“.  Das „Alte Schloss“ liegt im Gemeindegebiet der Marktgemeinde Kleinwallstadt das forstwirtschaftlich genutzt wird. Heute wird diese Waldabteilung als „Lämmert“ bezeichnet, während in der Urkataster-Aufnahme von 1846 die Waldabteilung als „Altes Schloss“ geführt  wurde. Eine topologisch exakte Eintragung in dieser ersten Vermessung des Gebietes erfolgte nicht. In der amtlichen Topographischen Karte 1:25 000, Blatt 6121 Heimbuchenthal verweist die Eintragung „Burgstall“ auf das Alte Schloss.

Die Kartierung der Sichtachsen des "Alten Schlosses" zeigt, dass die Anlage nicht auf größtmögliche Sichtbarkeit konzipiert war. Karte: Jürgen Jung, Spessart-GIS

Die Kartierung der Sichtbezüge des „Alten Schlosses“ (rot eingefärbte Bereiche) zeigt, dass die Anlage nicht auf größtmögliche Sichtbarkeit konzipiert war.

Kartierung der am "Alten Schloss" vorbeiführenden mittelalterlichen Hohlwege. Karte: Jürgen Jung, Spessart-GIS

Kartierung der am „Alten Schloss“ vorbeiführenden mittelalterlichen Hohlwege

Die geologischen Gegebenheiten im Umfeld des Alten Schlosses sind sehr interessant. Eine exakte geologische Landesaufnahme wurde noch nicht publiziert, so dass sich Informationen zum geologischen Untergrund bislang nur aus der Geologischen Übersichtskarte Naturpark Spessart 1:100 000 entnehmen lassen. Detaillierte geographisch-geologische Untersuchungen wurden von Jürgen Jung in den Jahren 1996 und 2006 vorgelegt 1. Insgesamt liegt das Gebiet im Verbreitungsgebiet des unteren Buntsandsteins (su, D, Miltenberger, Dickbanksandstein). Dieser Sandstein ist fein- bis mittelkörnig, gut sortiert und tonig-eisenschüssig. Er lagert in mittel- bis dünnbankigen Lagen und ist am Rand des Maintales stark durch Klüfte zerlegt. Dies kann man im Bachbett des Kohlplatzgrabens am Fuß des Alten Schlosses sehr eindrucksvoll beaobachten. Die höchsten Areale im Umfeld des Alten Schlosses werden vom Mittleren Buntsandstein unterlagert, der grobkörnig, teils kiesig vorliegt und meist silikatisch gebunden ist. Dieser Sandstein wurde zum Bau des Alten Schlosses verwendet, wobei lediglich die geologische, bislang aber nicht die topographische Position des Steinbruchs bekannt ist. Die Sandsteine in der Umgebung des Plattenberges sind teils tiefgründig chemisch verwittert und als Reste der tertiären Verwitterungsdecke zu sehen, die in diesem Gebiet noch nicht abgetragen wurde. Dieser, als Sandstein-Saprolit geführte Sandstein ist häufig blütenweiß, porös und infolge der Lösung des Eisenhaltigen Bindemittels meist weicher als der ursprüngliche Sandstein. Der grobkörnige Sandstein, der am Alten Schloss Verwendung fand, ist  durch die tertiärzeitliche sekundäre Aufkieselung härter als das Ausgangsprodukt geworden. Im Zusammenhang mit der tertiärzeitlichen Verwitterung wurden die Mobilisate, wie zum Beispiel Eisen oder Kieselsäure, teils selektiv angereichert. Hier ist vermutlich die Entstehung von sedimentären Eisenerzlagerstätten begründet, die auch im Fundinventar am Alten Schloss aufgetreten sind. Begünstigt durch die tertärzeitliche Morphodynamik wurde die Aufarbeitung des Gesteinsuntergrundes durch Frostprozesse begünstigt. Weiße, tonreiche Sandablagerungen wurden in der Umgebung des Alten Schlosses durch Rammkernsondierungen erschlossen und wurden in den 1920er Jahren auch wirtschaftlich als sogenannter Klebsand genutzt. Überlagert werden die sandigen Substrate von mächtigen Lößablagerungen, die insbesondere die Hänge im Bereich des Talkessel am Kohlplatzgraben auskleiden. Die Lösse sind meist umgelagert und nicht durch Paläoböden gegliedert. Die Ausnahme bildet ein mächtiger rotbrauner, kompakter und teils polyedrisch absondernder Bt-Horizont, der die Basis der Ringmauer am Alten Schloss bildet. Dieser Bt-Horizont ist nach vorläufigen OSL-Datierungen in die Nacheiszeit zu stellen 2, entspricht also der postglazialen Bodenbildung im Atlantikum. Insgesamt ist die Deckschicht aus lockeren Substraten im Gebiet des Alten Schlosses teils über 10 Meter mächtig, so dass der feste Gesteinsuntergrund bei der Mauergründung nicht erreicht werden konnte.

Weiterführende Literatur:

Jürgen Jung, Die quartäre Aufbereitung der kretazotertiären Verwitterungsdecke im südwestlichen Buntsandstein-Spessart – dargestellt anhand einiger Hangprofile bei Kleinwallstadt am Main. Masch. Dipl.Arb., Geogr. Inst. Univ. (Würzburg 1996).

Jürgen Jung, GIS-gestützte Rekonstruktion der neogenen Reliefentwicklung tektonisch beeinflusster Mittelgebirgslandschaften am Beispiel des Spessarts (NW-Bayern, SE-Hessen). Diss. Univ. Würzburg (Würzburg 2006), online verfügbar.


Jürgen Jung, Kleinwallstadt 2015


 

  1. Jung 1996; Jung 2006
  2. Freundliche mündliche Mitteilung von Annegret Kranz, Kiel